Hormonfreie Verhütung © pexels.com Liebe & Sex

Über das Thema Verhütung wird aktuell sehr viel gesprochen. Der Grund: Der neue Trend zur hormonfreien Verhütung. „Pille Ade“ heißt es da bei vielen. Die Gründe sind vielfältig, die Alternativen teilweise sicherer, als man meinen möchte. Ein Überblick.

Wie die Pille unser Leben revolutionierte

Um zu verstehen, warum die Pille in unserem Leben einen so großen Stellenwert hat, ist ein Blick in die Vergangenheit sinnvoll. Noch unsere Eltern und Großeltern hatten in puncto Familienplanung wenig Wahlfreiheit. Wer Sex haben wollte, der musste damit rechnen, schwanger zu werden. Latexkondome gibt es zwar seit 1930, haben zur damaligen Zeit bei der Verhütung allerdings keine große Rolle gespielt. Es mangelte vor allem an Aufklärung und gesellschaftlicher Akzeptanz.

1960 kam die erste Pille auf den Markt und das zum perfekten Zeitpunkt. In der Gesellschaft begann ein Umdenken, das vor allem die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter betraf. Plötzlich wurde in Frage gestellt, dass dies die einzige Bestimmung der Frau sei. Mit der Pille hatten die Frauen ein Mittel, sich konkret und aktiv zu einem bestimmten Zeitpunkt gegen Kinder zu entscheiden. Dabei mussten sie sich nicht auf ihren Mann verlassen und die Anwendung war einfach und sicher.

Forscher gehen teilweise so weit zu sagen, dass erst mit der Erfindung und Einführung der Pille viele nachfolgende gesellschaftliche Veränderungen möglich waren. Ungeplante und ungewünschte Schwangerschaften waren zum Beispiel bis zum Durchbruch der Pille der Hauptgrund für Studienabbrüche unter Frauen. Dank der Pille ging diese Zahl stark zurück und immer mehr Frauen entschieden sich dafür, ein Hochschulstudium überhaupt erst zu beginnen.

Neue Kritik an der Pille

Heute erleben wir erneut ein Umdenken in der Gesellschaft. Viele Menschen fragen sich, ob unser Lebenswandel in den letzten Jahrzehnten tatsächlich so positiv ist. Immer mehr Frauen hinterfragen die Pille: Nachdem eine Zeit lang unkritisch angenommen wurde, was Pharmaunternehmen und Konzerne uns angepriesen haben, stellen sie sich nun die Frage, ob die Einnahme der Hormone auch wirklich gut für uns und unseren Körper ist. Stimmungsschwankungen, Depressionen, Migräne, schlechte Haut, Gewichtszunahme und Schwindel oder Übelkeit gehören dabei zu den bekannten Nebenwirkungen der Pille. Dazu kommt nun jedoch, dass bestimmte Wirkstoffe in neuen Generationen der Pille das Thrombose-Risiko erhöhen sowie die Einnahme über einen langen Zeitraum die Chance auf eine Schwangerschaft bei Absetzung reduzieren kann. Aktuelle Beiträge, die sich mit den Nebenwirkungen auseinandersetzen veröffentlichte ZEIT ONLINE „Die Antibabypille ist unzumutbar“ oder auch bento „Was die Pille mit dir macht. Vor allem jüngere Frauen schauen sich darum immer häufiger nach Alternativen um.

Hormonfrei und sicher? Alternativen zur Pille

Verhütung soll nicht nur nebenwirkungsfrei sein, sondern vor allem auch sicher. Dass hormonfreie Methoden dies leisten können, zweifeln viele an. Zu Recht? Jein. Hormonfreie Verhütung kann ähnlich sicher sein wie die Pille, das Problem ist jedoch, dass die unterschiedlichen Methoden meist deutlich aufwändiger sind und Fehler schnell mal passieren können. Und ein Fehler kann in diesen Fällen zu einer ungewollten Schwangerschaft führen.

Natürliche Familienplanung

Die meisten hormonfreien Methoden lassen sich unter dem Begriff „natürliche Familienplanung“ zusammenfassen. Hierbei geht es nicht nur darum eine Schwangerschaft zu vermeiden, sondern auch das Eintreten einer solchen zu begünstigen, wenn diese gewünscht ist.

 

Als Grundlage für die natürliche Familienplanung dient der Zyklus der Frau. Durch genaue Zyklusbeobachtung, Aufzeichnung und Auswertung verschiedener Anzeichen (z.B. die Basaltemperatur) kann bestimmt werden, in welcher Phase des Zyklus‘ eine Frau sich befindet. Da eine Schwangerschaft nur während eines relativ kurzen Zeitfensters, den fruchtbaren Tagen, eintreten kann, geht es darum, diese zu identifizieren. Viele Frauen machen dies manuell mithilfe von Tabellen und Graphen, mittlerweile gibt es jedoch auch kleine Computer, die einem dabei behilflich sind. Einen Vergleich unterschiedlicher Verhütungscomputer gibt es auf Faminino.de.

Je nachdem, welche Methode eine Frau nutzt und kombiniert, sind diese Methoden äußerst sicher, erfordern jedoch ein recht umfangreiches theoretisches Wissen und eine sorgfältige Anwendung.

Barrieremethoden

Zu den sogenannten Barrieremethoden zählen das Kondom, die Pessare und Schaum, der in die Scheide eingeführt wird. Das Ziel ist dabei stets, dass Spermien nicht in die Gebärmutter gelangen. Die Sicherheit schwankt stark zwischen den verschiedenen Methoden, wobei das Kondom mit am sichersten ist. Der Vorteil eines Kondoms besteht zudem darin, dass es als einziges Verhütungsmittel vor Geschlechtskrankheiten schützen kann.

Bei der hormonfreien Verhütung werden normalerweise mehrere Methoden kombiniert, was zur Sicherheit maßgeblich beiträgt. Zu beachten ist jedoch, dass nach Absetzen der Pille zunächst einige Zyklen abgewartet werden müssen, da der Körper etwas Zeit benötigt, um sich wieder einzupendeln.

Alternativen eignen sich nicht für jeden

Alternativen zur Pille gibt es noch einige weitere und wer tatsächlich mit dem Gedanken spielt, auf hormonfreie Varianten umzusteigen, sollte auf jeden Fall ein Gespräch mit seinem Gynäkologen suchen. Denn auch wenn viele Methoden bei richtiger Anwendung sehr sicher sind, gibt es einiges zu bedenken. Nicht jede Methode eignet sich für jede Frau und die passende für sich zu finden, ist nicht immer eine leichte Aufgabe. Am Ende kann sich die Mühe aber durchaus lohnen!

- Artikel vom MjEuMDYuMjAxNw==
Gastautorin Nele von Faminino.de

bloggt auf Faminino.de über die Themen Kinderwunsch, Schwangerschaft und das Leben mit Kind. Die Texte beruhen auf persönlichen Erfahrungen und zeigen das (Familien-)Leben mit all seinen Höhen und Tiefen.

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