In allen Bereichen involviert: Die modernen Väter © Halfpoint / Fotolia.com Familie

Vater werden ist nicht schwer – Vater sein dagegen sehr? Nach dem klassischen Rollenmodell überließen die berufstätigen Ernährer die Kindererziehung deswegen wohl lieber der Frau. Doch inzwischen wandelt sich dieses Bild und es entwickelt sich eine neue Vatergeneration: engagiert, authentisch und vor allem anwesend im Familienalltag.

Was wollen Väter heute?

Laut einer aktuellen Studie der Väter gGmbH wollen 88,2% der befragten Väter die Entwicklung ihrer Kinder von Anfang an aktiv begleiten. Die Position als Vertrauensperson ist zwei Dritteln dabei noch wichtiger als die Erzieherrolle (61%): Obwohl viele Väter nach wie vor tagsüber ihrem Beruf nachgehen, nehmen sich immer mehr von ihnen die Zeit, sich emotional und erzieherisch innerhalb der Familie zu engagieren – und das von Anfang an.

Videoblog mit Papa Luis

Beispielswiese Luis, der mit seiner Familie in Berlin lebt. Er möcht vor allem öffentlich erzählen, wie er die Zeit mit seinem kleinen Sohn sieht. Er ist damit einer der wenigen, ersten Papas, die auch öffentlich über den Alltag mit einem Baby berichten und Tipps geben. Für den neuen Youtube-Channel von Frauenparadies.de hat Papa Luis ein Video gedreht:

Der Vater: eine kurze Typologie

Natürlich sind nicht alle Väter auch gleich Superpapas. Die Soziologen Andrea Bambey und Hans-Walter Gumbinger definieren vielmehr sechs Typen danach, wie viel Zeit sie für den Nachwuchs aufbringen, wie kindgerecht ihr Verhalten ist und wie sicher sie sich in ihrer Rolle fühlen:

  • Der Randständige kennt seine Familie nicht, schätzt ihre Wünsche in Unkenntnis falsch ein und ist beleidigt, wenn seine „guten Ratschläge“ nicht angenommen werden.
  • Der Gereizte reagiert ungeduldig auf kindliche Bedürfnisse und ist sich dieser Unzulänglichkeit oft sogar bewusst. Daher ist er froh, wenn die Mutter das Kind übernimmt.
  • Der Traditionell-Distanzierte sorgt für die Familie, überlässt den Erziehungsalltag der Frau und nimmt nur bei gemeinsamen Aktivitäten Kontakt zum Nachwuchs auf.
  • Der Fassadenhafte versteht sich als „Freund“ des Kindes und glaubt, dass er viel für die Familie tut. Dennoch ist er im Alltag nicht präsent und daher bei Problemen hilflos.
  • Der Partnerschaftlich-Traditionelle richtet sein Leben stark nach der Fürsorge für seine Kinder aus. Er hat Geduld, doch als Familienoberhaupt bestimmt er die Regeln.
  • Der Moderne will nicht nur Ernährer sein. Obwohl er beruflich oft stark eingespannt ist, beschäftigt er sich viel und zugewandt mit seinem Kind.

Kurz: Im idealtypischen Fall deuten moderne Väter ihre Position dabei vom unnahbaren Machtwort-Patriarch zum anwesenden Alltags-Papa um. In dieser Rolle gestalten sie das Aufwachsen ihrer Kinder vom Windeln wechseln bis zur Toberunde aktiv mit. Dass dies inzwischen auch für Berufstätige zum Trend wird, bewirken auch die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen.

Gemütlicher Nachmittagsspaziergang mit dem besten #tragepapa der Welt. 🙂 #didytai #welovegreen #inliebegetragen #stadtspaziergang

Ein von Eves Bienenstock (@evesbienenstock) gepostetes Foto am

 

Elterliche Gleichberechtigung: Theorie & Praxis

Seit 2007 können nicht nur Mütter, sondern auch Väter Elterngeld und Elternzeit beanspruchen:

  • Wer zur Kindererziehung eine berufliche Pause einlegt, erhält 65% des letzten Nettolohns (max. 1.800 Euro monatlich)
  • Das Elterngeld wird zunächst für ein Jahr gewährt; übernimmt ein berufstätiger Elternteil die Kinderbetreuung, wird es zwei weitere Monate gezahlt.
  • Alleinerziehende erhalten die Zahlungen von vornherein über 14 Monate.

Obwohl die Gleichberechtigung der Elternteile also theoretisch möglich ist, wird die praktische Umsetzung ambivalent betrachtet. Entsprechend bewerten 85% der Väter-Studienteilnehmer Work-Family-Balance-Maßnahmen als oft überwiegend auf Frauen ausgerichtet. 68,2% der Befragten bezeichnen ihr Unternehmen zudem als wenig väterfreundlich; so erfahren 80% ablehnendes Verhalten, wenn sie den Arbeitsplatz z.B. wegen eines kranken Kindes verließen.

Auf der anderen Seite begegnet modernen Vätern auch ein so gegenteiliges wie paradoxes Verhalten: Während Frauen, denen das Muttersein ja angeblich im Blut liegt, selten für Füttern, Wickeln & Co. bewundert werden, kassieren Väter für diese selbstverständlichen Handlungen teils überschwängliches Lob. Tatsächlich zeigt sich an diesem Beispiel, dass die traditionelle Rollenverteilung nach wie vor tief in den Köpfen verankert ist. Staatliche Gleichbehandlung ist noch keine Gleichberechtigung, sondern nur der erste (notwendige) Schritt.

Dabei unterscheiden sich Mütter und Väter im Idealfall gar nicht so sehr in ihren Fähigkeiten zur Kinderpflege, sondern vielmehr in der Anwendung ihrer Kenntnisse.

Vater sein dürfen

In Experimenten haben Wissenschaftler erforscht, dass Mütter ihre Kinder bei Frusterlebnissen eine Tendenz zum Trösten zeigen, während Männer eher Ablenkung anbieten und das Kind so selbst mit seinen Emotionen fertigwerden lassen. Auch neue Erfahrungen werden häufig eher von den Vätern initiiert bzw. gefördert: Während viele Frauen ihre Kinder tendenziell vorsichtig in ihrer Entwicklung begleiten, trauen die meisten Väter dem Nachwuchs mehr zu – frei nach dem Motto: Willst du rauf auf den Baum? Okay, los geht’s!

Das funktioniert natürlich nur, wenn die Mutter bereit ist, das Kind auch aus der ihrer Obhut zu entlassen. Wenn dies nicht der Fall ist und eine Frau nur ihren eigenen Methoden vertraut, findet das sogenannte „Maternal Gatekeeping“ statt – ein Phänomen, das sich aus der traditionellen Rollenverteilung entwickelt hat und den Vater aus der Erziehung ausschließt. Väter, die sich in der Familie gleichberechtigt engagieren wollen, sind also auch auf eine Partnerin angewiesen, die ihnen im Umgang mit dem Kind vollkommen vertraut.

Fazit: Die Rollenbilder wandeln sich langsam

In der breiten Gesellschaft so wie im persönlichen Familienalltag: In ca. 30% der deutschen Familien herrschen noch die klassischen Verhältnisse, bei denen Papa verdient und Mama die Kinder hütet. Doch auch wenn sich Rollenbilder nur langsam wandeln: Mit staatlicher Unterstützung sorgen immer mehr moderne Elternpaare dafür, dass Väter bei der aktiven Gestaltung des Familienalltags immer präsenter werden – von A(rztbesuch) bis Z(ahnfeespielen).

- Artikel vom MjIuMDcuMjAxNg==

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