Trump und die Folgen für die Frauenbewegung Gesellschaft

Donald Trump gilt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Barack Obama nicht gerade als Gentleman. Abgesehen von seiner Verachtung für Mexiko und für Journalisten fallen besonders seine chauvinistischen Äußerungen gegenüber Frauen auf: Ist die neue Machtposition des Republikaners ein Anzeichen dafür, dass grober Sexismus wieder gesellschaftsfähig wird? Oder kann die Frauenbewegung dagegen halten?

Political Correctness, Obama und die Realität

Barack Obama wird in diesen Tagen nicht nur als scheidender Präsident, sondern auch als vorbildlicher Vater und Ehemann bejubelt. Unvergessen sind die Reden, in denen er sich liebevoll und anerkennend auf seine Frau Michelle bezog, oder die Momente, in denen er von der Intelligenz, der Bodenständigkeit und dem Humor seiner Töchter sprach. Trump dagegen schwärmt von tollen Beinen und würde seine Töchter am liebsten daten.

Zwei verschiedene Arten väterlichen Stolzes, könnte man meinen. Doch spätestens nachdem im Wahlkampf ein Video aus dem Jahr 2005 auftauchte, in dem Trump damit prahlte, dass er als Promi Frauen auch ohne ihre Einwilligung straflos begrapschen könne, stellt sich die Frage, ob bei Trump nicht Vaterstolz, sondern Frauenfeindlichkeit dahintersteckt.

Was seine Gegner als puren Sexismus betrachteten, tat seine dritte Frau Melania, die sonst eher selten den Mund aufmacht, in einem Interview als harmlosen „boys talk“ ab. Trumps Macho-Sprüche mögen (auch) Angeberei gewesen sein. Dennoch sind sie für einen Vertreter der männlichen und weiblichen Bevölkerung Amerikas nicht bloß unpassend. Sie lassen auch deutliche Rückschlüsse auf Trumps Denkweise zu: Als ehemaliger Veranstalter von Schönheitswettbewerben reduziert er Frauen offenbar nach wie vor auf ihr Äußeres – und auf die Wünsche, die dieses Äußere in ihm weckt.

Diese Auffassung wird von peinlichen Belästigungsvorwürfen sowie Gerüchten (und Tatsachen) bezüglich seiner ehelichen Treue untermauert. Dazu kommen die Beleidigungen („big fat pig“), mit denen Trump missliebige Politikerinnen, Journalistinnen und andere prominente Frauen überzieht, und die meist etwas mit ihrem Aussehen zu tun haben.

Mit all dem hat sich Trump längst zu einer Hassfigur der feministischen Bewegung gemacht – doch sein Sexismus fußt auf einem tieferliegenden Problem: Obwohl Frauen in den USA keine Minderheit darstellen, haben sie keinen gleichrangigen Stand. Drei Beispiele:

  • In Vorstandsetagen sind Frauen selten; dafür arbeiten sie umso häufiger im Billiglohnsektor.
  • In den Südstaaten verliert eine Frau nach der Hochzeit ihren eigenen Namen – offiziell wird sie als „Mrs. Vorname Ehemann“ geführt und als Berufstätige oder gleichberechtigte Partnerin schief angeschaut.
  • 20% aller Studentinnen werden an der Universität Opfer sexueller Übergriffe.

Obwohl eine starke First Lady wie Michelle Obama und ein für Gleichberechtigung eintretender Präsident hier ganz sicher einen positiven Beitrag leisten konnten, ist das echte Amerika bisher nicht das Traumland des Feminismus gewesen.

Das ist keine Entschuldigung für Trump: Denn statt die Probleme nach dem Vorbild Obamas weiter anzugehen, verhält er sich öffentlich wie ein Macho – und vermittelt seinen Anhängern so, dass grober Sexismus öffentlichkeitstaugliches Verhalten sei (für Interessierte gibt es zu diesem Thema auch unseren Beitrag „Sex sold out? Sexismus in der Werbung“). Trumps Beleidigungen und die Reduzierung seiner Gegnerinnen auf optische Eigenschaften kratzen weiter an seiner Reputation als Präsident. Der deutliche Rückschritt in Sachen Gleichberechtigung hin zu chauvinistischer Überheblichkeit ist jedoch nicht zu vernachlässigen, denn er gibt einen Ausblick auf das, was Trump während seiner Amtszeit konkret vorhaben könnte.

Dumme Sprüche oder konkrete Pläne?

Im politischen Bereich wird es Trump sehr wahrscheinlich nicht bei verbalen Ausfällen belassen. Gleiche Bezahlung bei gleicher Leistung, bezahlte Familienzeit, Mindestlohn, staatliche Förderung für sexuelle und sexualmedizinische Aufklärung, härtere Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung: Diese Ziele seiner Gegenkandidatin Hillary Clinton dürften nicht auf Donald Trumps „America First“-Agenda stehen. Auf der offiziellen Website zu den Bürgerrechten wurden bereits alle Treffer zum Thema LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) getilgt.

 

Mit seinem Vizepräsidenten, dem erbitterten Abtreibungsgegner Mike Pence, wird Trump sich vermutlich eher für das Gegenteil aussprechen – bekannt sind etwa Pläne zur Streichung staatlicher Subventionen für die Gesundheitsleistungen der Organisation „Planned Parenthood“; zumindest solange diese auch Abtreibungen betreut. Auch bei der Ausübung der Religionsfreiheit könnte er Einschnitte planen – bereits jetzt berichten Muslimas in den USA davon, dass sie von den islamfeindlichen Trump-Anhängern wegen Tragen ihres Hijabs beleidigt werden.

Wie es aussieht, lassen Trump und seine überwiegend weiße, männliche Anhängerschaft den Sprüchen also bereits Taten folgen. Doch lassen sich Frauen davon einschüchtern? Nein – und das ist die beste Nachricht für die Frauenbewegung.

Eine neue Frauenbewegung beginnt

Trump spaltet die Welt. Und er vereint seine Gegner: Nachdem feststand, dass der Republikaner die Wahl gewonnen hat, fanden sogleich die ersten Proteste gegen ihn statt: Vor allem junge und schwarze Frauen gingen zum Protest auf die Straße und machten gleichzeitig unter dem Hashtag #Our100 auf ihre Rechte, Ängste und vor allem ihren Willen zum Widerstand aufmerksam.

Ein guter Anfang: Zu Trumps Amtseinführung gab es – in allen amerikanischen Großstädten und sogar weltweit – die sogenannten „Women’s Marches“, bei denen hunderttausende Menschen demonstrierten. Dabei ging es den Teilnehmern nicht nur um Frauenrechte, sondern um allgemeine Menschenrechte. So wurde u.a. gegen Ungerechtigkeiten aufgrund von Rasse oder Geschlecht, gegen sexuelle Gewalt, für einen gesetzlichen Mindestlohn, für Flüchtlinge, für Solidarität mit Prostituierten, das Recht auf Abtreibung und die LGBTQ-Bewegung marschiert.

Die Anliegen der Marschteilnehmer scheinen so zwar breitgefächert, doch sie lassen sich auch ganz einfach zusammenfassen – nämlich in einem allgemeinen und positiven Aufruf zur Selbstbestimmung unabhängig von Gender und Herkunft.

Ob die „Women’s Marches“ nur ein einmaliges Event bleiben, oder tatsächlich zu einer vereinten und mächtigen Frauenbewegung in den USA (und vielleicht weltweit?) führen, muss sich allerdings noch zeigen. Dennoch hält die massenhaft geäußerte und von den Medien bereitwillig verbreitete Forderung nach einem gerechten und gleichberechtigten Miteinander Trumps egozentrischem Weltbild einen deutlichen Spiegel vor.

Fazit – „Pussy grabs back“

Trump mag Frauen als dekoratives „arm candy“ oder Sexobjekte ohne eigenen Willen betrachten: Doch wie er als Präsident Frauen und ihre Rechte tatsächlich behandeln kann, liegt in den Händen einer aktiven, feministischen Bewegung.

Schon jetzt startet Trump im eigenen Land so unbeliebt wie kein US-Präsident vor ihm. Laut Umfragen unterstützen nur 37% der Bevölkerung seine Amtseinführung. Das bedeutet umgekehrt, dass 63% der Amerikaner(innen) und Feminist(inn)en in aller Welt Trumps Ansichten und seinen Sexismus weder teilen noch tolerieren wollen. Und genau das ist ein riesengroßes Potential an geballter Kraft, die – vereint und mutig unter dem Motto „Pussy grabs back“ – Trumps Ego gewaltig erschüttern könnte.

Diskutieren Sie mit!

Was halten Sie, verehrte Leserinnen und – da wir selbstverständlich für Gleichberechtigung sind – verehrte Leser, vom neuen US-Präsidenten? Was halten Sie von Donald Trump und seinen frauenfeindlichen Äußerungen? Sind „America’s women“ in der Lage und willens, ihm die Stirn zu bieten? Wir warten gespannt auf Ihre Meinung und freuen uns auf heiße Debatten in dieser Frage.

- Artikel vom MjMuMDEuMjAxNw==

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