Pole Dance im Fitnessstudio © Photographee.eu / Fotolia.com Sport

Man stelle sich einen Raum mit vielen freistehenden Stangen, Spiegeln und tuchverhangenen Wänden vor. Darin: zehn Frauen in hautengen, knappen Outfits, die zu Nelly Furtados „Maneater“ an den Stangen tanzen. Zum Beispiel klettern sie ein ganzes Stück nach oben, kreuzen das rechte Bein über das linke, lösen die Hände und lehnen sich mit Schwung nach hinten, um dann mit der Stange zwischen den Oberschenkelinnenseiten, mit gestreckten Füßen, ausgebreiteten Armen und wehenden Haaren kopfüber herabzuhängen…

 

Diese Beschreibung des Ambientes und der Akteurinnen kann schon längst nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass unsere Betrachtungen uns heute nicht ins Dirnenmilieu führen! Der Stangentanz oder Pole Dance hat sich an der glatten, glänzenden Eisenstange, die auch als „vertikaler Barren“ bezeichnet wird, aus den Striplokalen herausgezogen und sich nicht nur in die Fitnesscenter und Tanzschulen, sondern auch in eigene Pole Fitness-Studios, Pole Dance-Akademien und nicht zuletzt ins heimische Wohnzimmer katapultiert.

Der Stangentanz bewirkt mehr, als ganz normale Frauen wie erotische Tänzerinnen aussehen zu lassen. Wir beleuchten den Trend – aber nicht mit Rotlicht.

Vom Animiertanz zum beliebten Pole Dance Sport

Der Stangentanz stammt ursprünglich aus dem chinesischen Staatszirkus, wo ausschließlich Männer ihr artistisches Können an der Stange bewiesen. Weitere Wurzeln hat er in Peepshows und in den Darbietungen der beweglichen Damen in Table Dance Bars und Stripclubs. Das ist angesichts so mancher Moves nicht zu leugnen. Seit in den 1980er Jahren in Kanada die Idee aufkeimte, ihn aus diesen Etablissements heraus- und in die Fitnessstudios hineinzubringen, ist jedoch viel geschehen. Sogar eine gewisse Aufspaltung in Disziplinen ist zu verzeichnen. Pole Dance legt den Schwerpunkt auf den tänzerischen Ausdruck und die passende Performance zur Musik. Bei Pole Fitness steht die Akrobatik im Mittelpunkt; ebenso wie die sportliche Herausforderung, die mehr als 300 verschiedenen Figuren an der Stange zu Stande zu bringen. Deren Einübung gilt zudem als attraktives Fitnesstraining.

Nicht wenige Pole TänzerInnen wollen als SportlerInnen wahrgenommen werden. Schließlich hat sich ihre Sportart vom Striptease befreit und ist nicht mehr mit explizit sexuellen Posen verbunden. Dennoch haftet der Pole Dance-Fitness – anders als etwa dem Beachvolleyball, bei dem auch enge, aufreizende Outfits zu sehen sind – gerade aufgrund seiner Herkunftsgeschichte eine latente Anrüchigkeit an. Eingefleischte Pole Dancer können damit jedoch gekonnt kokettieren.

Während sich die sportliche Variante des Stangentanzes zunächst in den USA als breitmassentauglich erwies, ist sie in Deutschland noch ein relativ junger Sport. Beim Abstreifen des Schmuddel-Images waren sicher die Fürsprachen und Vorturnübungen von prominenten Stangentänzerinnen wie Cindy Crawford, Fergie, Kate Hudson oder Madonna von Vorteil. Auch die Auftritte diverser Kandidaten beim „Supertalent“ oder bei „Got to Dance“ trugen sicher dazu bei, den sportlichen Anspruch zu vermitteln. Seit 2005 werden Weltmeisterschaften ausgetragen. Ein Griff an die Brüste oder in den Schritt führt hier zur Disqualifikation. Seriosität und Ernsthaftigkeit sind oberstes Gebot. Immerhin bemüht sich die International Pole Dance Fitness Association sogar darum, dass der Sport am Vertikal-Barren olympisch wird.

Fitness von der Stange – Pole Dance holt sich die Pole Position

Pole Sport gilt als der Fitnesstrend schlechthin. Und dafür gibt es gute Gründe.

1. Ganzkörperfitness: Eine (Stange) für alle (Körperregionen)

Der Tanz an der Stange bedient sich vieler Elemente anderer Sportarten und Trainingsmethoden. Dazu gehören Akrobatik, Calisthenics, Gewichtheben, Gymnastik, Functional Training (mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag „Functional Training – Chancen und Risiken eines Fitness-Tends“), Tanz und Turnen. Die komplexe Stangenakrobatik, zu der die verschiedenen Einflüsse verschmelzen, fordert Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit der TänzerInnen in höchstem Maße. An nur einem Gerät können förmlich alle Körperpartien trainiert werden.

Sich allein mit der eigenen Kraft an der Stange zu halten, beansprucht eine Reihe von Muskeln. Kommen dann die vielfältigen Figuren hinzu, bedeutet das ein intensives Ganzkörpertraining. Die Moves gehen weit über die kleinen Übungen hinaus, die weniger trainierte Frauen zur Unterhaltung von Männern in Bars bieten. Strapaziert und trainiert werden:

  • Armmuskeln
  • Beinmuskeln
  • Bauchmuskeln
  • Beckenmuskeln
  • Schultermuskeln
  • Rückenmuskeln

2. Gesundheit und Aussehen: Vorsorge und Figurformung am Eisen

Bei der Stangenfitness wird die Beweglichkeit gefördert, was Versteifungen und Fehlhaltungen vorbeugt. Zudem wird die Stützmuskulatur des Rumpfes gekräftigt, die der Stabilisierung der Wirbelsäule dient. Mit dem Muskelaufbau und dem Training von Kondition, Koordination, Balance und körperlicher Anmut geht jedoch auch ein Formen des Körpers einher. Die Muskeln, die aufgebaut und die Kalorien, die verbrannt werden (bei 70 kg etwa 375 kcal in der Stunde), sorgen für eine ästhetischere Silhouette, sofern die Bewegung an der Stange mit bewusster und gesunder Ernährung einhergeht. Aus der Straffung und Durchbildung des Körpers, der Verbesserung der Haltung und nicht zuletzt der Entdeckung der eigenen Sinnlichkeit resultiert schließlich ein gesteigertes Selbstwertgefühl.

Ist jeder stangentauglich?

 

 

Viele Menschen glauben, dass Pole Dance ausschließlich ein Sport für Zeitgenossen sein kann, die durchtrainiert und gelenkig sind, ein gutes Gefühl für und Vertrauen in den eigenen Körper mitbringen und sich überhaupt an das Sportgerät heranwagen. Fakt ist jedoch: Frauen oder Männer müssen für Pole Fitness keine Spitzensportler sein. Selbst eine schlanke und athletische Erscheinung ist – auch wenn sie ein Vorteil sein mag – keine Voraussetzung, zumal es auf kontrollierte, harmonische und pointierte Bewegungen eines biegsamen Körpers ankommt. Der Schlüssel zu einer anmutigen Haltung sowie zu Gelenkigkeit und Dehnbarkeit liegt jedoch allein in der Übung. Viel Training und schnelle erste Trainingserfolge stärken das Selbstvertrauen und fördern die Kenntnis des eigenen Körpers.

Das reduziert die Voraussetzungen auf den Mut und die mentale Stärke, die man beweisen muss, um sich dem metallenen Fitnessgerät zu stellen sowie auf den Leistungswillen und die Bereitschaft, blaue Flecken, Quetschungen und Reibungswunden vor allem als Anfänger hinzunehmen.

Wer allerdings Probleme mit den Gelenken hat oder mit Knie- oder Rückenbeschwerden kämpft, sollte die Finger vom Workout mit der Stange lassen.

Der Weg zur Pole Dance-Fitness

In den Zeiten von YouTube, Amazon, Zalando und Co. scheint es, da die Stange, die Outfits und weiteres Zubehör einfach bestellt werden können, kein Problem zu sein, sich den Stangentanz privat im heimischen Wohnzimmer mit Hilfe von Videos und Online-Tutorials beizubringen. Für Anfänger ist es allerdings ratsam, Unterricht zu nehmen. Die Kursangebote in den Fitnessstudios und Tanzschulen sind mannigfaltig. Hier geben Probetraining und Schnupperstunden Gelegenheit, sich – ohne Investition in Equipment und heimische Umbaumaßnahmen – an den Sport heranzutasten und sich darüber klar zu werden, ob er in Frage kommt. Das ist jedoch weder der einzige noch der wichtigste Grund. Vielmehr bedürfen Pole Dance-Beginner der professionellen und persönlichen Unterstützung und Anleitung, damit es nicht zur Bruchlandung oder zu einem ernsteren Unfall kommt.

Hier finden Sie ausgewählte Pole Dance Studios:

Von der Erfahrung von Trainern, die eine spezifische Ausbildung absolviert haben, lässt sich jedoch nicht nur zu Anfang profitieren, wenn neben den Basics auch die zur Vorbereitung erforderlichen Aufwärmeinheiten und Kräftigungsübungen auf der Matte gezeigt werden. Auch bei gereifteren TänzerInnen stellen das korrigierende Eingreifen, die direkte Analyse von Fehlern und Verbesserungspotential sowie die Hilfe bei der Choreographie entscheidende Vorteile dar. Im Fitnessstudio können Teilnehmer, denen es noch an Kraft und Flexibilität fehlt, zusätzlich auch von Yoga- oder Stretching-Kursen sowie von Trainingseinheiten an den Geräten und im Hantelbereich profitieren. Dagegen, sich im Internet und auf den einschlägigen Plattformen Anregungen zu holen, spricht indes nichts. Die Übungen an der eigenen Stange zuhause helfen Fortgeschrittenen zudem, sich zu verbessern. Denn für denjenigen, der mit diesem Sport fit und gut werden will, heißt es: Bei der Stange bleiben!

Die Vielfalt der Figuren im Pole Dance

Im Pole Dance gibt es viel zu lernen.

  • (Basis-)Griffe
  • Spins (Drehungen)
  • Climbs (Klettern an der Stange)
  • Figuren, Inverts (Kopfüberfiguren), Combinations (Figurenkombinationen)
  • Transitions (fließende Übergänge)
  • Floorwork (Tanz am Boden)

Das alles sind Elemente, aus denen eine ausgereifte Choreographie bestehen kann. Ein paar der beliebtesten Figuren wollen wir abschließend zeigen:

Um in die Figur hineinzukommen, gibt es verschiedene Variationen. Eine davon sehen wir hier:

Der „Helikopter“ ist auch als „Chopper“ oder „Inverted V“ bekannt und braucht viel Kraft in Rumpf und Rücken.

Der „Butterfly“ geht aus einem klassischen Invert hervor. So geht’s:

Die wohl schwerste Übung ist die „Human Flag“. Das aus den Calisthenics entlehnte Element gelingt, aufgrund ihrer größeren Kraft im Schultergürtel, vor allem Männern. Dennoch ist es ein Traum vieler Pole Tanzerinner, diesen Move eines Tages zu beherrschen.

- Artikel vom MjYuMDEuMjAxNw==

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