Englisches Cottage © Fritz_the_Cat / pixabay.com Urlaub

Hätten die Engländer nicht ihre typisch britische Gemütlichkeit erfunden, wäre aus ihnen vielleicht ein miesepetriges Insel-Völkchen geworden. Das wäre bei den durchschnittlich 153 Regentagen im Jahr nämlich durchaus verständlich. Aber die Engländer haben sich stattdessen ihren trockenen Humor angeeignet, sich kuschelige Cottages gebaut und diese mit Kaminzimmer und holzvertäfelten Wänden eingerichtet. Der Stil der Cottages versprüht nostalgischen Charme. Manchmal besteht ein Hang zur liebevollen Überladenheit. Doch nirgendwo schmeckt der Fünfuhrtee besser als in schweren Ohrensesseln. Vor allem, wenn er mit frischen Scones, Clotted Cream und Erdbeermarmelade serviert wird. Kein Wunder also, dass die Briten alles andere als übellaunig sind. Und es ist ebenfalls kein Wunder, dass die meisten Menschen einen Urlaub in einem original englischen Cottage eher mit Rosamunde Pilcher-Romantik verbinden als mit grauen Regentagen.

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Tea Time mit dem typischen Gebäck – ein MUSS beim Besuch der Britischen Inseln © stux /pixabay.com

Nicht nur in den typischen Cottages können England-Urlauber die britische Gemütlichkeit genießen. Die heimelige Atmosphäre ist in einem Bed and Breakfast (B&B) genauso zu finden, wie in vielen City-Hotels. Ob opulent ausgestattet mit antiken Chesterfield-Möbeln samt blumigen Pasleymuster-Vorhängen oder etwas einfacher eingerichtet – eines wird man in jeder britischen Unterkunft vorfinden: den obligatorischen Wasserkocher auf dem Zimmer samt Milch, Zucker und Tee-Auswahl.

Urlaub in einem englischen Cottage

Als Cameron Diaz alias Amanda Woods ihre unterkühlte Villa in Hollywood gegen ein windschiefes Cottage vor den Toren Londons eintauschte, sollte sie in ihrer neuen Behausung genau das vorfinden, was sie so lange vermisst hatte: Geborgenheit, Wärme und ein wenig kreatives Chaos. Besonders dann, wenn mal wieder der Strom ausfiel. Die Szenen aus der Kino-Schnulze „Liebe braucht keine Ferien“ (2006) hätten das urige Cottage-Lebensgefühl nicht besser veranschaulichen können. Die teilweise mehr als 300 Jahren alten, reetgedeckten Häuschen aus Naturstein sind nicht zu vergleichen mit den modernen Baustandards von heute. Doch umwittert sie ein gewisser Hauch von Behaglichkeit und Naturverbundenheit, den kein durchgestyltes Luxus-Anwesen je bieten könnte. Dass Amanda zwischen Hügellandschaft, Blumengarten und Landhausmöbeln auch noch ihre ganz große Liebe findet, braucht eigentlich nicht weiter erwähnt werden. Und auch die vielen Rosamunde Pilcher-Verfilmungen wären ohne die zauberhaften Cottages nur halb so romantisch. Dabei waren die Hütten einst als einfache Behausungen für Bauern und Fischer gedacht. Einige irische Familien lebten darin bis vor 70 Jahren sogar noch ohne Strom- und Wasseranschluss. Der Kamin bot damals die einzige Wärmequelle. An besonders kalten Wintertagen zog auch das Vieh mit ins Haus ein.

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Heute wollen vor allem Touristen etwas von der romantischen Gemütlichkeit erfahren, die schon immer in den Cottages zuhause war. Renoviert, modernisiert und von blühenden Gärten umgeben, lassen sich im ganzen Land die gemütlichen Hütten als einfache bis sehr komfortable Ferienwohnung mieten. Die Cottages in Südengland, besonders Cornwall und Devon, sind besonders gefragt. Wer dort nach einer Unterkunft dieser Art sucht, sollte mindestens ein Jahr im Voraus buchen.

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Englisches Cottage mit jeder Menge Wohlfühlatmosphäre © Roger Kirby / freeimages.com

Bed and Breakfast – eine britische Erfindung

Ein Bed and Breakfast (kurz B&B) ist mittlerweile in fast allen Teilen der Erde zu finden. Dabei ist das Konzept des B&B eine typisch britische Erfindung. Privatleute bieten Touristen ein Zimmer in ihrem Haus an, wobei meist ein (warmes) Frühstück mit eingeschlossen ist. Das Frühstück hat es, wie nach britischer Tradition üblich, in sich: Gebratener Speck, Baked Beans, Toast, Marmelade, Cornflakes, Rührei, gegrillte Tomaten und Champignons sowie Tee, Kaffee und Orangensaft. Wer das nicht gewohnt ist und trotzdem alles verputzt, hat meist – trotz langer Sightseeingtour – bis zum Abend keinen Hunger mehr.

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Ein typisch englisches Frühstück © I_cwojdzinski / pixabay.com

Jedes Bed and Breakfast, ob auf dem Land oder in der Stadt, hat seinen eigenen persönlichen Charme und ist ganz im Sinne der Hausherrin oder des Hausherren eingerichtet. Die meisten B&B-Inhaber sind keine Profis im Tourismussektor. Der Heimeligkeit tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil. Viele England-Kenner wissen, dass sie hier besonders herzlich aufgenommen werden und gleichzeitig mit Einheimischen in Kontakt kommen. So kann man nicht nur sein Sprachwissen etwas aufbessern, sondern erfährt auch gleich nebenbei etwas über Kultur, Land und den britischen „Way of Life“.

Castles, Herrenhäuser und andere Unterkünfte

Wer es gerne etwas größer mag oder gleich wie ein König wohnen will, findet in England zahlreiche wunderschön restaurierte Schlösser, Burgen und Castles, die man nicht nur besichtigen, sondern in denen man auch übernachten kann. Das Amberley Castle zum Beispiel, welches seit 900 Jahren mitten in der Landschaft von Sussex steht, erweckt den Eindruck, als ob in jedem Moment König Artus und seine Ritter der Tafelrunde herausgaloppiert kommen. Wer es streng viktorianisch auf Fünf-Sterne-Niveau mag, findet im Bovey Castle in Devon die perfekte Unterkunft.

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In der Nähe von Edenbridge in der südostenglischen Grafschaft Kent gibt es die Möglichkeit, B&B- und Castle-Erlebnis zu vereinen – und dabei noch jede Menge Geschichte zu schnuppern. Im Hever Castle nämlich offeriert ein „Luxury B&B“ seinen Gästen individuell mit antiken Möbeln und edlen Stoffen eingerichtete Zimmer in einem Schloss aus dem 13. Jahrhundert, das von einem doppelten Wassergraben umgeben ist. Besucher nächtigen in einem Anwesen, das nach 1505 von der Familie Boleyn bezogen wurde und in dem Anne Boleyn – die spätere Königin von England und Mutter Königin Elisabeths I. – einen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Nachdem Heinrich VIII. seine zweite Ehefrau und ihren Bruder 1536 wegen Hochverrat hatte köpfen lassen und nachdem 1539 auch Thomas Boleyn, der Vater der Geschwister, verstorben war, fiel das Anwesen an den König, der es Anna von Kleve – seiner vierten Frau – nach der Annullierung der Ehe übereignete.

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Hever Castle in Kent © NadinLisa / pixabay.com

In Großbritannien wimmelt es nur so von großzügigen Herrenhäusern und Schlössern, die sich in den letzten Jahrzehnten ganz auf den Tourismus eingestellt haben. In einigen Burgen soll es sogar spuken, wie zumindest die Betreiber behaupten. Dort seinen Urlaub zu verbringen, ist allerdings auch meist ein sehr kostspieliges Vorhaben. „Very british“ ist es in jedem Fall.

Hotels in England – individuelle, britische Gemütlichkeit

Natürlich gibt es in England auch Hotels im herkömmlichen Sinne. Einfache City-Hotels in der Drei-Sterne-Kategorie kosten beispielsweise in London ca. 70 Euro pro Nacht mit Frühstück. Wer auch hier auf den englischen Stil Wert legt, sollte sich vorher genau erkundigen. Die großen, internationalen Ketten legen in der Regel weniger Wert auf die britische Gemütlichkeit. Viele kleine, individuelle Hotels jedoch schon.

Britische Extravaganz lässt sich hingegen in den berühmten Londoner Traditions-Hotels „Savoy“ oder „The Dorchester“ finden. Schon Marlene Dietrich, Marylin Monroe oder Fred Astaire stiegen hier ab. Wer sich die Nacht für mindestens 700 Euro pro Person nicht leisten möchte, sollte zumindest eines verregneten Nachmittags zur Tea Time vorbeischauen. Bei Live-Klaviermusik werden zum Tee kunstvoll arrangierte Etageren voller Scones, Gebäck und Sandwiches gereicht. Das ist mindesten genauso britisch wie eine Übernachtung in einem Cottage in Cornwall.

- Artikel vom MjguMTIuMjAxOA==

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