Eines der Sieben Weltwunder der Neuzeit: Machu Picchu © Poswiecie / pixabay.com Reise & Kultur

Die Sieben Weltwunder? Kennt doch jeder. Selbst den Menschen, die auf Fragen wie „Was sind Weltwunder?“, „Warum gibt es (sieben) Weltwunder?“ oder „Wo befinden sich die Weltwunder?“ keine oder bloß eine rudimentäre Antwort wissen, ist das Begriffspaar vertraut. Weil es fest im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verwurzelt, zu Allgemeinwissen geworden ist!

Immerhin:

  • Existiert die Liste der sieben antiken Weltwunder schon seit dem 2. Jahrhundert v. Chr.
  • Wurde der Mythos der „Top-Adressen des Altertums“ von Griechen und Römern genährt und gemehrt.
  • Gab es in Renaissance- und Barockzeit die Rückbesinnung auf den einstigen Kanon, der fortan in Druckgrafiken, Gemälden und Co. Verbreitung fand.
  • Erfuhr die Legende erst vor kurzem eine moderne Wiederauflage.
  • Gibt es heute die sieben Weltwunder der Neuzeit und mehr.

Wir wollen klären, was es mit Weltwundern auf sich hat und warum Sie auch eine Mittel- und Südamerika-Reise mit der Besichtigung eines Weltwunders oder gar von sieben Weltwundern verknüpfen können.

 

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Was, warum, wo Weltwunder?

Wir müssen es uns nur mal auf der Zunge zergehen lassen – WELTwunder. Etwas also, das „in seiner Art, durch sein Maß an Vollkommenheit das Gewohnte, Übliche so weit übertrifft“ (so der DUDEN in Sachen „Wunder“), dass es Menschen der ganzen Welt in atemloses Erstaunen versetzt. Der phönizische Schriftsteller Antipatros von Sidon, dessen Epigramm aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert die erste vollständige Auflistung der Sieben Weltwunder – mit einer Ausnahme – enthält, verstand darunter die wichtigsten Bau- und Kunstwerke der damals bekannten Welt.

Die Liste jener Werke, die sich durch ihre Größe, Pracht, Technik, Kunstfertigkeit und Bedeutung auszeichneten, wurde deshalb auf eine bestimmte Anzahl beschränkt, weil die Zahl „7“ in der Antike als Symbol für Glück und Vollkommenheit betrachtet wurde. Versuche anderer Völker und Gesellschaften, Wunderreihen mit bis zu 50 Werken zu etablieren, scheiterten mitunter daran, dass an der Sieben festgehalten wurde, die zum Beispiel im christlichen Glauben als göttliche Zahl gilt.

Da die „damals bekannte Welt“ noch äußerst klein beziehungsweise begrenzt war, fanden sich die imposantesten Glanzstücke der Weltkunst auf vergleichsweise engem Raum, rings um die Ägäis. Die Sieben Weltwunder der Antike waren:

  • die Zeusstatue in Olympia (Griechenland)
  • der Koloss von Rhodos (Griechenland),
  • das Grabmal von König Mausolos zu Halikarnassos (heutige Türkei),
  • der Artemis-Tempel von Ephesus (heutige Türkei),
  • die hängenden Gärten der Semiramis in Babylon (heutiger Irak),
  • der Leuchtturm von Pharos (heutiges Ägypten) und
  • die Pyramiden von Gizeh (Ägypten).

Das einzige heute noch erhaltene Weltwunder der Antike: Die Pyramiden von Gizeh © NadineDoerle / pixabay.com

Nur das älteste Weltwunder der Antike, die um 2590 bis 2470 v. Chr. errichteten Pyramiden, ist heute noch erhalten. Die anderen Bauwerke fielen Bränden, Erdbeben und Kriegen zum Opfer.

Weltwunder sehen und sterben

Die antike Aufzählung der Wunder der Erde war nichts anderes als ein Reiseführer zu den schönsten Sehenswürdigkeiten, eine Empfehlungsliste dessen, was die Menschen des Altertums erkunden sollten. Es war eine Empfehlung, die die Zeitgenossen ernst nahmen. Bei den Griechen galt es, so der Philosoph Epiktet, als ein Unglück, zu sterben, ohne den Zeus des Phidias in Olympia gesehen zu haben. Das Empfinden, etwas zu versäumen, wenn man der Weltwunder nicht ansichtig wurde, war sehr ausgeprägt.

Was aber sollen wir Nachgeborenen machen, die wir die To-See-Liste der Griechen und Römer nicht mehr auf unseren Reisen abarbeiten können? Dies fragte sich wohl auch der Schweizer Abenteurer und Autor Bernard Weber, der im Jahr 2000 die weltweite Kampagne „New 7 Wonders of the World“ startete. Daraus gingen nach der Kürzung einer 200 Gebäude und Monumente umfassenden Liste auf 77 Weltwunder-Anwärter und schließlich auf 21 Finalisten die Sieben Weltwunder der Neuzeit per Online-Abstimmung hervor. Am 7.7.2007 wurde die neue Weltwunder-Liste, an deren Entwicklung sich mehr als 70 Millionen Menschen via Internet beteiligten, in Lissabon verkündet.

Die Liste der neuen Weltwunder ist ein Zeugnis der heutigen Sehnsucht danach, in Ehrfurcht vor der Leistung von Baumeistern und Bildhauern zu stehen und zu erkennen, was Menschen mit ihrem Verstand, ihrer Kreativität und ihrem Willen bewirken. Endlich können auch wir eine Weltwunder-Reise unternehmen, die uns zudem – da die Liste auch Werke weitab des Mittelmeeres umfasst – nicht nur nach Europa führt.

Die Sieben Weltwunder in Mittel- und Südamerika

Viele Menschen setzen es sich inzwischen wieder zum Ziel, alle Sieben Weltwunder mit eigenen Augen zu sehen. Schließlich handelt es sich um Werke, welche die Zeiten überdauern und noch von nachfolgenden Generationen betrachtet werden. Und es gilt, ein Gefühl zu genießen, das wir nur empfinden, wenn wir überwältigt, in den Grundfesten unseres Seins von etwas Außergewöhnlichem erschüttert sind.

Weil Bernard Weber nach der Festlegung der Siebenerliste der Neuzeit-Weltwunder auch die Sieben Weltwunder der Natur und die Sieben Weltwunder-Städte zur Abstimmung brachte, ist es sogar während einer (langen) Mittel- und Südamerika-Reise möglich, sieben Weltwunder zu besuchen und dabei drei Bau- und Kunstwerke, zwei Naturwunder und zwei Stadtwunder in sieben Ländern zu sehen.

Mittel- und südamerikanische Weltwunder der Neuzeit

Die sieben neuen Weltwunder sind:

  • die Mayastadt Chichén Itzá (Yucatán, Mexiko),
  • die Chinesische Mauer (China),
  • die Erlöserstatue Christo Redentor (Rio, Brasilien),
  • das Kolosseum (Rom, Italien),
  • die Inkastadt Machu Picchu (Peru),
  • die Felsenstadt Petra (Jordanien) und
  • das Taj Mahal (Indien).

Chichén Itzá

Die Kukulcán-Pyramide in der Mayastadt Chichén Itzá © santiagor12 / pixabay.com

Die auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán bei Valladolid gelegene Mayastadt wurde um 440 gegründet und war eines der größten Handelszentren des indigenen Volkes. Heutige Besucher der schon 250 Jahre nach ihrem Entstehen verlassenen, um 1000 von den Tolteken und im 16. Jahrhundert von spanischen Eroberern bewohnten Ruinenstätte können den Ballspielplatz, den Tempel der tausend Säulen, das Observatorium und den Schneckenturm bestaunen.

Im Zentrum des neuen Weltwunders steht indes die 33 Meter hohe Kalkstein-Pyramide, die dem Gott Kukulcán geweiht ist. Die Anzahl ihrer Stufen entspricht den Tagen im Jahr (91 Stufen an jeder der vier Seiten sowie eine abschließende gemeinsame Stufe = 365 Stufen), was vermuten lässt, dass die Anlage unter Anwendung astronomischer Kenntnisse errichtet wurde. Darauf lässt auch der legendäre, schlangenähnliche Schatten schließen, der jeweils zur Tag-und-Nacht-Gleiche an der Pyramide auftaucht und sich die Stufen hinabschlängelt.

Cristo Redentor

Die Christusstatue auf dem Corcovado in Rio © Andrea46 / pixabay.com

Sie wacht mit ausgebreiteten Armen über die brasilianische Mega-Metropole Rio de Janeiro: Die 30 Meter hohe, auf einem acht Meter hohen Sockel stehende, auch als Cristo Redentor (Christus, der Erlöser) bezeichnete Christusstatue auf dem mehr als 700 Meter hohen Berg Corcovado. Die 1 145 Tonnen schwere Art-Déco-Statue nach Entwürfen des französischen Bildhauers Paul Landowski wurde vom brasilianischen Bauingenieur Heitor da Silva Costa aus Stahlbeton errichtet. Eigentlich sollte die specksteinbeschichtete Skulptur 1922, zum 100. Jubiläum der Unabhängigkeit Brasiliens, enthüllt werden. Wegen Finanzierungsproblemen wurde sie erst knapp zehn Jahre später, am 12. Oktober 1931, eingeweiht. Im Sockel beherbergt die 2006 zu einem katholischen Wallfahrtsort erklärte Erlöserstatue eine Kapelle. Weltwunder-Besucher genießen einen atemberaubenden Panoramablick auf die Bucht von Rio mit dem Zuckerhut.

Machu Picchu

Weltwunder-Ruinenstadt in den Wolken: Machu Picchu © doit_viaggi / pixabay.com

In den peruanischen Anden liegt in 2350 Metern Höhe die um 1440 von den Inka geschaffene magische Stadt in den Wolken – Machu Picchu, zu Deutsch alter Berg oder alter Gipfel. Die zwischen den Bergrücken des Huayna Picchu und des Machu Picchu über dem Urubambatal errichtete Stadt wurde von dem Inkaherrscher Pachacútec Yupanqui gegründet und bereits 100 Jahre später, als spanische Eroberer näher rückten, aufgegeben. Nachdem die Spanier die Inkastätte übersehen hatten, geriet sie in Vergessenheit. Im Jahr 1911 entdeckte der amerikanische Forscher Hiram Bingham das zwischenzeitlich im Urwald versunkene neue Weltwunder wieder. Reisende erreichen die gut erhaltene Ruinenstadt über einen schmalen Bergpfad oder über die größeren Inka-Trails.

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Mittel- und südamerikanische Weltwunder der Natur

Die sieben Weltwunder der Natur sind:

  • die Iguazú Falls (Brasilien, Argentinien),
  • die Ha Long Bay (Vietnam),
  • Komodo (Kleine Sundainseln),
  • der Amazonas (Peru, Brasilien, Kolumbien),
  • der Tafelberg (Kapstadt, Südafrika),
  • der Puerto Princesa Unterground River (Philippinen) und
  • Jeju Island (Süd-Korea).

Iguazú Falls

Der Teufelsschlund, eine 150 Meter breite und 700 Meter lange Schlucht, ist das Hauptwasserfallsystem der Iguazú Falls © magicaltravelling / pixabay.com

Zu den spektakulärsten Naturschauspielen des südamerikanischen Kontinents und der ganzen Welt gehören die zum Natur-Weltwunder gekürten Wasserfälle des Flusses Iguazú (Spanisch) oder Iguaçu (Portugiesisch) an der argentinisch-brasilianischen Grenze. Die Wasserfälle, die sich über eine Länge von 2,7 Kilometern erstrecken und zu denen 20 größere und etwa 255 kleinere gehören, können von beiden Ländern aus besucht werden. Die wundervollen Wasserfall-Erlebnisse, die dabei zu genießen sind, unterscheiden sich durchaus. Während die brasilianische Seite mit einem nervenzerreißenden Panoramablick auf die tosenden Wassermassen punktet, werden Besucher auf der argentinischen Seite über Metallstege direkt zur Fallkante geleitet und sind mittendrin statt nur dabei.

Amazonas© Peter Rohmer / Southern Cross Ltda.

Amazonas

Anders als der Nil, der ihn nach nicht unumstrittener, aber überwiegender Ansicht in der Konkurrenz um den längsten Fluss der Welt übertrumpft, hat der in den Anden entspringende und in den Atlantik mündende Strom im Norden Südamerikas es in die Liste der Sieben Weltwunder der Natur geschafft. Unter den 21 gewählten Weltwundern muss sich der Amazonas mit seinen über 6 000 Kilometern freilich der knapp 21 200 Kilometer langen Chinesischen Mauer, Teil der Sieben Weltwunder der Neuzeit, geschlagen geben. Der Fluss der ein weitverzweigtes Flusssystem darstellt, führt ein Fünftel des weltweiten Süßwasservorrates. Reisende auf Weltwunder-Kurs interessiert neben vielem anderen sicher auch das einträchtige, unvermischte Nebeneinanderfließen der hellen Amazonaswasser und der dunklen Wasser des Rio Negro in der Nähe der brasilianischen Stadt Manaus.

Mittel- und südamerikanische Weltwunder-Städte

Die sieben Weltwunder-Städte sind:

  • Beirut (Libanon),
  • Doha (Katar),
  • Durban (Südafrika),
  • Havanna (Kuba),
  • Kuala Lumpur (Malaysia),
  • La Paz (Bolivien) und
  • Vigan (Philippinen).

Havanna

Lebendig, bunt, gelassen: Havanna © tpsdave2 / pixabay.com

Die Hauptstadt Kubas und zweitgrößte Metropole in der Karibik bestach die Teilnehmer an der weltweiten Stadtwunder-Wahl wohl mit ihrem einzigartigen, unprätentiös-entspannten Flair. Kubanische Rhythmen, bunt getünchte Häuser, enge, gewundene Gassen, farbenfrohe Oldtimer, Pferdekutschen und Festungen, Kirchen, Klöster, Palastgebäude und Villen vom spanischen Barock bis zum Art déco – das ist es, was Weltwunder-Reisende in den Bann ziehen wird. Nicht verpassen sollten Havanna-Erkundende die Altstadt, die Kathedrale, die Meeresfestung an der Hafeneinfahrt, den ehemaligen Gouverneurspalast, die Uferpromenade El Malécon, Hemingways Lieblingsbars sowie eine Stadtrundfahrt in einem der vielen Oldtimer.

La Paz

Eine der Sieben Weltwunder-Städte: La Paz © Poswiecie / pixabay.com

Das bolivianische La Paz in der Altiplano-Hochebene der Anden ist mit einer Höhenlage zwischen 3 200 und 4 100 Metern die höchstgelegene Verwaltungshauptstadt der Welt. Die vielfarbigen Häuser der nicht geordnet entworfenen, sondern wild gewucherten Metropole schmiegen sich an den Boden und an die Ränder eines Kessels inmitten schneebedeckter Gipfel. Sehens- und bestaunenswert sind die Plaza San Francisco, die Plaza Murillo und die zahlreichen Märkte der quirligen Altstadt, unter denen der Hexenmarkt (Mercado de la Brujas), auf dem Zauberkräuter, Talismane, Liebestränke, Lama-Embryonen, Amulette und dergleichen mehr feilgeboten werden, wohl die skurrilsten Anblicke bereithält.

Die Reise zu den sieben Weltwundern in Mittel- und Südamerika

Es ist nicht zu leugnen – die sieben Weltwunder in Mittelamerika und in Südamerika sind viele tausend Kilometer voneinander entfernt und sie alle während eines einzigen Urlaubs zu besichtigen, grenzt an eine sportliche Herausforderung. Andererseits gibt es Reiseveranstalter, die eine kontinentübergreifende Rundreise zu den Sieben Weltwundern der Neuzeit im Programm haben und Menschen, welche die Neuzeit-Wunder in nur 13 Tagen bereisen. Ausgeschlossen ist es folglich nicht, die sieben mittel- und südamerikanischen Weltwunder im Rahmen einer einzigen Reise zu sehen – und vielleicht sogar das in vieler Augen achte Weltwunder der Natur, den Nationalpark Torres del Paine in Chile, in die Tour aufzunehmen. Schon eines der Wunder zu bestaunen und beim Besuch von Kuba, Mexiko, Brasilien, Peru, Bolivien und / oder Argentinien mit in den Reiseplan aufzunehmen, ist jedoch ein einmaliges Erlebnis.

Wie viele Weltwunder haben Sie bereits besichtigt? Bald ist wieder der 7.7. – Tag der Weltwunder! Planen Sie doch eine Reise nach Mittel- und Südamerika und lassen Sie sich von einem oder gleich mehreren Wundern faszinieren.

- Artikel vom MDMuMDQuMjAxOQ==

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