In der Literaturgeschichte gibt es nur wenige berühmte Schriftstellerinnen. © Yerson Retamal / pixabay.com Medien & Kultur

Dass viele Sphären des gesellschaftlichen Lebens jahrhundertelang männlich dominiert waren, es teilweise noch sind, spürten nicht zuletzt jene Frauen, deren Lebensaufgabe darin bestand, Romane schreiben oder zu dichten. Eine typische Behauptung,  um Frauen von Einfluss auf das kulturelle Leben fernzuhalten, bestand darin, dass es sich für Frauen „nicht gehöre“, eine andere, dass Frauen nicht geeignet seien für künstlerisches Schaffen jeder Art. Gebildete Frauen sahen sich großem Argwohn ausgesetzt, und Geld konnten Frauen aufgrund der Zugangsbeschränkungen zum kulturellen Markt ohnehin kaum verdienen, erst recht nicht mit dem Schreiben von Büchern oder Gedichten. Einige jener Schriftstellerinnen früherer Generationen, die in der heutigen Zeit eine gewisse Berühmtheit erlangt haben, entschieden sich deshalb, für die Veröffentlichung ihrer Werke ein männliches Pseudonym zu verwenden, Beispiele sind die Brontë-Schwestern, Karen Blixen oder Louisa May Alcott.

Wir möchten an dieser Stelle an einige, inzwischen oder immer noch berühmte Schriftstellerinnen erinnern, die es mit ihrer Liebe zum Schreiben und als gebildete Frauen zu ihrer Zeit nicht immer leicht hatten.

Virginia Woolf – Schreiben als Befreiung

Die Engländerin Virginia Woolf (1882-1941) wuchs in einer Atmosphäre der viktorianischen Prüderie und in Zeiten der alltäglichen Benachteiligung von Frauen auf. Aus diesem „Gefängnis“ versuchte sie sich durch das Schreiben zu befreien. Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte sie als Zeitzeugin die ersten emanzipatorischen Bewegungen und gestaltete sie durch ihre Veröffentlichungen mit – vor allem mit dem Essay „Ein Zimmer für sich allein“, in dem sie eine eigene, auch räumliche Privatsphäre und ein eigenes Einkommen für Frauen forderte.

In die Liste der berühmten Künstlerinnen schrieb sie sich mit Romanen wie „Mrs. Dalloway“, „Orlando“ und „Die Wellen“ ein. Nach Virginia Woolfs Tod gerieten ihre Werke beinahe in Vergessenheit. Erst in den siebziger Jahren wurden ihre Texte von der neuen Frauenbewegung wiederentdeckt. Heute hat die Virginia Woolf Society of Great Britain die Aufgabe übernommen, an die wohl größte Künstlerin der englischen Literatur zu erinnern.

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Annemarie Schwarzenbach – Die zerrissene Seele

Annemarie Schwarzenbach (1908–1942) ist eine Schweizer Schriftstellerin, deren Werke erst viele Jahre nach ihrem Tod von einem größeren Publikum entdeckt wurden. Schon als junger Mensch begann die Autorin zu schreiben – vor allem Romane, Reportagen, Reiseberichte. Besonders durch ihre Reiseaufzeichnungen über Afghanistan, das sie zusammen mit der Fotografin Ella Maillart mit dem Auto bereiste, und ihre USA-Reportagen wurde sie bekannt. Ihr Roman „Das glückliche Tal“ gilt heute als ein Meisterwerk der schweizerischen Literatur.

Gefangen zwischen den Konventionen ihrer weithin bekannten Industriellenfamilie und ihrem künstlerischen Anspruch, litt sie zeitlebens unter einer inneren Zerrissenheit, die sie in Depressionen und Drogensucht trieb. Ein Fahrradunfall im Jahr 1942 beendete schließlich ihr Leben. Sie starb mit nur 34 Jahren.

Toni Morrison – Chronistin afroamerikanischer Identität

In der Liste berühmter Schriftstellerinnen darf Toni Morrison (1931–2019) nicht fehlen. Dass sie die erste US-afroamerikanische Autorin war, die den Literaturnobelpreis erhielt, wäre nur dann keine interessante Nachricht, wenn die USA keine rassistische Geschichte hätten. Morrisons Werke veränderten die Literaturgeschichte der USA nachhaltig: In ihren Erzählungen setzte sich Morrison für die Sichtbarmachung schwarzer Identität in ihrem Land ein. Das Erbe der Sklaverei, Rassismus und Ausgrenzung – sie fasste die Missstände und Versäumnisse der Gesellschaft in Sprache, machte auf die Sehnsüchte der armen Bevölkerungsschichten aufmerksam, die nicht die Chance hatten, für sich selbst zu sprechen.

Und verwies schon damals, 1993, bei ihrer Nobelpreis-Rede auf die Macht der Sprache, auf die Gewalt und den Hass, darauf, dass Worte eine Waffe sind. Ein Thema, das heute aktueller denn je ist.

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Else Lasker-Schüler – Die große Lyrikerin

Else Lasker-Schüler (1869–1945) ist eine der bedeutendsten Dichterinnen Mitteleuropas. Der Essayist und Dichter Gottfried Benn bezeichnete sie gar als „größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte“. Auch als Zeichnerin erlangte sie zu Lebzeiten Bekanntheit.

Geboren in Elberfeld (Wuppertal), zog sie es, aufgrund ihrer Identität als deutsch-jüdische Künstlerin, vor, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Deutschland zu verlassen; Else Lasker-Schüler verlebte ihre letzten Jahre in Jerusalem.

Colette – Die Liebe zum Skandal

Sidonie-Gabrielle Claudine Colette (1873–1954), genannt Colette, gilt als Ikone der französischen Frauenliteratur. Sie ist die bisher einzige französische Autorin, die nach ihrem Tod ein Staatsbegräbnis erhielt.

Sie veröffentlichte berühmte Romane wie „Gigi“ sowie die Claudine-Reihe; daneben machte sie sich auch als Journalistin und Varietékünstlerin einen Namen.  Berühmt war sie auch aufgrund ihrer Tabubrüchen, die in der damaligen Zeit durchaus für Tumulte sorgen konnten. Sie liebte den Skandal – und dafür liebten die Franzosen letztendlich sie. Eine Frau, die unbeirrt ihren Weg ging und dadurch zu einer der berühmtesten Autorinnen der Welt wurde.

Späte Anerkennung für große Autorinnen

Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Denn auch wenn Frauen in früheren Zeiten keinen „Raum für sich allein“ hatten – sie haben dennoch geschrieben. Leider wurde vielen von ihnen erst lange nach ihrem Tod die Anerkennung zuteil, die sie schon zu Lebzeiten verdient gehabt hätten. Wir möchten die Erinnerung an einige berühmte Schriftstellerinnen aufrechterhalten, damit junge Autorinnen in ihnen ein Vorbild finden. Und wenn auch Sie leidenschaftlich gern schreiben: Lassen Sie sich nicht beirren! Eine bessere Zeit hat es für Schriftstellerinnen nie gegeben!

- Artikel vom MjYuMDIuMjAyMA==

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