Diese zehn berühmten Wissenschaftlerinnen haben die Welt verändert © Michal Jarmoluk / pixabay.com Berufsleben / Bildung

Wenn man durch Bildergalerien klickt, in denen sämtliche Nobelpreisträger für Physik, Chemie und Medizin aufgelistet werden, erkennt man anhand der Fotos eine große Vielfalt: Man sieht kleine Preisträger, große, dünne und dicke, Preisträger mit Brille, in feinem Zwirn, in Freizeitkluft; manche lächeln, manche nicht, manche haben spärliches Haupthaar, andere einen Schnurrbart – Moment: Schnurrbart? Ja, richtig: Schließlich ist hier die Rede von Männern! Und nur ab und zu verirrt sich das Bild einer Frau in diese Ruhmeshalle für Naturwissenschaftler. Das kann doch wohl nicht wahr sein, dachten wir aus der Frauenparadies-Redaktion, und möchten deswegen mit diesem Artikel beweisen – Wissenschaftlichkeit verpflichtet –, dass es sehr wohl viele herausragende Naturwissenschaftlerinnen gibt. Zudem gilt es zu erörtern, was deren Forschungsleistungen so besonders macht. Denn die mangelnde Sichtbarkeit von wissenschaftlich tätigen Frauen ist weder biologisch erklärbar noch gottgewollt noch sonst etwas, sondern ganz einfach menschengemacht.

Frau im Labor, mehr als Dekor: Wie Wissenschaftlerinnen diskriminiert werden

In der Weltgeschichte finden sich zahlreiche Männer, die aufgrund ihrer bahnbrechenden akademischen Leistungen maßgeblich zum (natur-)wissenschaftlichen Fortschritt beigetragen haben: Isaac Newton, Charles Darwin, Albert Einstein und viele mehr. Wir müssen uns nicht besonders anstrengen, um sofort ein paar Wissenschaftler nennen zu können – Männer, wohlgemerkt. Wo aber sind die Frauen? Schließlich entscheiden sich immer mehr Frauen für eine Karriere im Bereich der Naturwissenschaften, doch zugleich wird diesen Frauen auch weiterhin die Anerkennung verwehrt, die sie angesichts ihrer akademischen Leistungen eigentlich verdient hätten.

Doch wie äußern sich solche diskriminierenden Praktiken? Zum einen gibt es biologistisch motivierte Erklärungsversuche, und die sind explizit sexistisch: Solche Erklärungen, die besagen, Frauen könnten qua Geschlecht nicht logisch denken, gehören wohl hoffentlich der Vergangenheit an. Leider ändert selbst der allmähliche Rückgang reaktionärer Denkmuster nichts an der Tatsache, dass Wissenschaftlerinnen auch weiterhin unter struktureller Benachteiligung leiden – einer latenten Form von Sexismus: An den Universitäten werden Lehrstühle eher an Männer als an Frauen vergeben und in vielen Köpfen ist noch immer das Bild des genialen, leicht chaotischen Wissenschaftlers verankert. Solche Klischees aus den Köpfen zu kriegen, dauert bedauerlicherweise etwas länger.

Wissenschaftlerinnen muss man nicht mit dem Mikroskop suchen – es gibt genügend Vorbilder!

Was die Naturwissenschaften betrifft, so scheuen sich viele Frauen davor, ein technisches Studienfach auch nur in Betracht zu ziehen. Diese Asymmetrie zwischen den Geschlechtern soll sich mit Vorhaben wie dem vom Bildungsministerium geförderten MINT-Projekt für mehr Frauen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik ändern. Das Ziel: Mädchen und Frauen für die MINT-Disziplinen begeistern, sodass sie eines dieser traditionell männerdominierten Studienfächer wählen. Vielleicht würde dieses Ziel eher in greifbare Nähe rücken, wenn die Mädchen wüssten, in wessen Fußstapfen sie im Falle einer naturwissenschaftlichen Karriere treten – denn Vorbilder sind sehr wichtig für die persönliche Berufswahl. Und über einen Mangel an potenziellen role models lässt sich wahrlich nicht klagen! Vielmehr sollte man diese Genies, die lange unbeachtet geblieben sind, endlich einmal genauer unter die Lupe nehmen. Aus diesem Grund stellen wir Ihnen zehn berühmte Wissenschaftlerinnen vor, darunter viele Nobelpreisträgerinnen, an denen die jungen Forscherinnen von heute sich orientieren können.

Marie Curie – Die erste Nobelpreisträgerin

Marie Curie (1867–1934) ist ein Idol für ganze Generationen ambitionierter Wissenschaftlerinnen, war sie doch die erste Frau, die den Nobelpreis erhielt, und darüber hinaus auch noch der erste Mensch, dem zwei Nobelpreise in unterschiedlichen Arbeitsfeldern verliehen wurden – in Physik und Chemie. Zudem war Marie Curie die erste Frau, die an der berühmten Universität Sorbonne in Paris unterrichten durfte. Allerdings war der Weg zu einer glänzenden wissenschaftlichen Karriere mit zahlreichen Hindernissen gepflastert, angefangen mit Curies Herkunft: Curie entstammte einer verarmten polnischen Landadel-Familie; die Möglichkeit, in Frankreich zu studieren, musste sie sich hart erarbeiten.

Später forschte sie gemeinsam mit ihrem Doktorvater Henri Becquerel und ihrem Ehemann Pierre Curie im Bereich der Radioaktivität und legte damit den Grundstein für die moderne Radiologie. So wären Untersuchungsverfahren wie die Diagnostik per Röntgenbild oder die Computertomographie ohne Curies Forschung heutzutage nicht möglich. Dass sie sich für die Wissenschaft aufopferte, ist in diesem Fall keine Floskel, sondern wortwörtlich zu verstehen: Die Physikerin starb an den Folgen von Leukämie; diese wurde höchstwahrscheinlich infolge der radioaktiven Elemente ausgelöst, mit denen sie arbeitete. Marie Curie – eine bemerkenswerte Frau und die wohl bedeutendste Forscherin der Wissenschaftsgeschichte. Und bald dürfen wir sie auch auf der Kinoleinwand bewundern.

Ada Lovelace – Der erste weibliche „Computer-Nerd“

Ein Superlativ folgt dem nächsten: Denn Ada Lovelace (1815–1852) gehört zu den wohl erstaunlichsten Wissenschaftlerinnen der Neuzeit, immerhin entwickelte die leidenschaftliche Mathematikerin bereits im Jahr 1843 einen Algorithmus, wie er in ähnlicher Form auch heutzutage noch in Computern verwendet wird. Zusammen mit dem Erfinder Charles Babbage tüftelte sie an der „Analytical Engine“, einer mechanischen Rechenmaschine, die als ein Vorläufer späterer Computer anzusehen ist.

Lovelace’ außerordentliche mathematische Begabung konnte sich vermutlich auch nur deshalb entfalten, weil die Mutter, Anne Isabella Noel-Byron, ihre Tochter von jeglicher Beschäftigung mit Literatur abbringen wollte: Adas Vater war Lord Byron – Poet, Politiker und Partylöwe im England des frühen 19. Jahrhunderts. Und eben dieser Lord Byron litt an manischen Schüben, wie man sie auch bei der Diagnose bipolare Persönlichkeitsstörung (so die offizielle Bezeichnung) beobachten kann, was einige Zeitgenossen Byrons dazu verleitete, der Beschäftigung mit Literatur eine potenziell unheilvolle Wirkung zuzuschreiben – ergo: Schrift = Gift. Deswegen achtete Isabella darauf, dass ihre Tochter sich ausschließlich mit naturwissenschaftlichen Disziplinen befasst und somit keinem „Wahnsinn“ anheimfällt. Dabei kann man davon ausgehen, dass es gerade Lovelace’ ausgeprägte Kreativität war, die ihre Programmierfähigkeiten positiv beeinflusst hat.

Lovelace zu Ehren werden alljährlich verschiedene Preise verliehen, darunter der Ada Lovelace Award und die Lovelace Medal. Zudem ist eine Programmiersprache nach ihr benannt worden – schließlich repräsentiert sie den ersten weiblichen „Nerd“ in der Geschichte des Computers. Die Menschen des 21. Jahrhunderts profitieren allerdings nicht nur von der „Analytical Engine“, nein; auch Lovelace’ bewegtes Leben hat das Zeug zum Abenteuerroman und inspiriert auch gegenwärtig zu kreativen Fortschreibungen. Und so verwundert es nicht, dass vor einigen Jahren eine Graphic Novel erschien, die sich mit Leben und Wirken dieser Ausnahmeerscheinung beschäftigt: In The Thrilling Adventures of Lovelace and Babbage verbindet die Comicautorin Sydney Padua biografische Ereignisse mit kontrafaktischen Erzählungen – und setzt so ein Denkmal für Lovelace. Im wahren Leben leider sehr früh verstorben, darf die Computerpionierin im Reich der gezeichneten Poesie weiterleben.

Grace Hopper – Wegbereiterin für den Personal Computer

An dieser Stelle nun eine Wegbereiterin der Informatik, deren Arbeit 1983 mit dem Ada Lovelace Award ausgezeichnet wurde: Grace Hopper (1906–1992). In den 50er Jahren entwickelte sie den ersten Compiler, mit dessen Hilfe Programmcode in Maschinencode übersetzt werden konnte – und somit in eine verständliche Sprache. Ohne Hoppers Forschung wäre heute die Computernutzung für jedermann – und jede Frau – nicht möglich. Zudem wird Hopper der Ausdruck „Bug“ zugeschrieben, also der mittlerweile geläufige Ausdruck für Software-Fehler.

Nachdem sie im Alter von 60 Jahren in Rente gegangen war – in der US-amerikanischen Marine bekleidete sie den militärischen Dienstgrad eines Flottillenadmirals –, blieb die Informatikerin beruflich auch weiterhin sehr aktiv: Hopper hielt zahlreiche Vorträge vor Studierenden und arbeitete bis zu ihrem Tod als Beraterin für die Digital Equipment Corporation.

Shirley Ann Jackson – Die Telekommunikations-Visionärin

Wann haben Sie das letzte Mal einen Anruf erhalten und sind nicht rangegangen, weil die Anzeige an Telefon oder Handy Ihnen schon vorher verraten hat, wer Sie im unpassenden Moment stört? Diesen „Luxus“, ungebetene Anrufer und Anrufe ignorieren zu können, haben wir Shirley Ann Jackson zu verdanken; die amerikanische Physikerin, Jahrgang 1946, betrieb Grundlagenforschung für wichtige Erfindungen der Telekommunikation. Nicht nur die Anruferkennung geht auf ihre Arbeit zurück: Ohne Jackson müssten wir überdies auf Entwicklungen wie das Glasfaserkabel und das mobile Faxgerät verzichten.

Auch Jackson könnte man, so wie ihre gleichfalls berühmten Kolleginnen, als einen „Computer-Nerd“ bezeichnen. Doch ausgehend von diesem Etikett wäre es falsch zu glauben, dass Jackson nur im Umgang mit Photonen und Neutronen brilliert – sie ist ebenso eine geschickte Managerin und Führungskraft: Denn abgesehen von ihren akademischen Leistungen, die ihr zu einem Platz unter den fünfzig bedeutendsten Wissenschaftlerinnen der Gegenwart verholfen haben, zählt sie außerdem zu den erfolgreichsten Hochschulpräsidentinnen weltweit. Das seit jeher altehrwürdige Rensselaer Polytechnic Institute (RPI) entwickelte sich unter Jacksons Leitung zu einem der führenden Forschungsinstitute der USA. Übrigens: Dieses Institut hat es sich auf die Fahnen geschrieben, bis 2030 einen Frauenanteil von 50 % unter den Beschäftigten zu erreichen.

Stephanie Kwolek – Erfinderin der Superhelden-Faser

Auch wenn der Name Stephanie Kwolek kaum jemandem ein Begriff ist, dürften wir alle Kwoleks Entdeckung kennen. Immerhin hat die Chemikerin, geboren 1923, das extrem widerstandsfähige Material Kevlar entwickelt. Kevlar wird aus Aramiden hergestellt, also aus polymeren Kunststoffen.

Die Aramidfaser ist stichfest, hitzebeständig und sehr leicht, weswegen sie mittlerweile in schusssicheren Westen, in Arbeitskleidung sowie Sportbekleidung, die vor Verletzungen schützen soll, verarbeitet wird. Wie Kevlar auf Temperaturen von mehr als 400 Grad Celsius reagiert? Nun, schmelzen wird es nicht; stattdessen wird es zunächst „nur“ verkohlen. Merke: Wer etwas auf sich hält, greift zu einem aramidverstärkten Kleidungsstück. Selbst Batman geht inzwischen in einem Kevlar-Anzug auf Verbrecherjagd – und sieht dabei auch noch ziemlich gut aus.

Rita Levi-Montalcini – Zukunftsweisend für die Neurobiologie

Sollten Forscherinnen und Forscher in hoffentlich absehbarer Zukunft ein Mittel gegen Alzheimer und Krebs finden, so wird wahrscheinlich auch der Name dieser Frau fallen: Rita Levi-Montalcini. Denn die Neurobiologin und Medizinerin (1909–2012) entdeckte in den 1950er Jahren zusammen mit Viktor Hamburger den Nervenwachstumsfaktor (NGF); dieser trägt zur Erneuerung von Nervenzellen bei. NGF kann das Zellwachstum stimulieren, was bedeutet, dass Nervenzellen unter dem Einfluss von NGF Aussprossungen bilden. Darüber hinaus hat NGF einen stabilisierenden Effekt auf synaptische Verbindungen, die bereits bestehen – und hilft so unserem Gedächtnis auf die Sprünge. Schon heute zeigen sich erste Erfolge in der Alzheimertherapie mit Nervenwachstumsfaktor-produzierendem Gewebe, das Patienten ins Gehirn implantiert wird. Für ihre zukunftsweisende Entdeckung erhielt Rita Levi-Montalcini 1986 den Nobelpreis.

Levi-Montalcini beschäftigte sich jedoch nicht nur beruflich mit starken Nerven; auch im Privaten musste sie oft Nerven aus Stahl beweisen, angefangen bei ihrem Berufswunsch „Medizinerin“: Obgleich Levi-Montalcini in einem von Bildungsidealen geprägten Elternhaus aufwuchs, wollte ihr Vater nicht akzeptieren, dass eine Frau nach höherer Bildung strebte; stattdessen sollte sie einzig und allein in der Rolle als treusorgender Ehefrau und Mutter aufgehen. Doch Rita Levi-Montalcini blieb hartnäckig: Innerhalb kürzester Zeit eignete sie sich das für den Schulabschluss benötigte Wissen an, absolvierte das Medizinstudium mit Bestnoten und forschte anschließend im Bereich der Neurologie sowie der Psychiatrie.

Als der von den deutschen Nationalsozialisten propagierte Rassenwahn schließlich in Mussolinis faschistischem Italien ankam, musste auch Levi-Montalcini, eine Frau jüdischen Glaubens, fortan um ihr Leben bangen. Diese Zeit des Terrors und Mordens überlebte sie in diversen Verstecken. In einem dieser Verstecke – und dort in ihrem Schlafzimmer – errichtete Levi-Montalcini ein Mini-Labor, damit sie weiterhin forschen konnte. Im August 1944 begann die spätere Nobelpreisträgerin, als Ärztin in einem Flüchtlingslager in Turin zu arbeiten. Im Rahmen dieser Tätigkeit kümmerte sie sich um schwerverletzte Menschen, die oftmals an so hochinfektiösen Krankheiten wie Typhus litten.

Ann Tsukamoto – Grundlegende Stammzellenforschung

Die Entdeckung Ann Tsukamotos und ihrer Kollegen hat bereits tausende Leben gerettet: 1991 ist es ihnen gelungen, menschliche Blutstammzellen zu isolieren. Damit schufen sie eine Grundlage für die bessere Erforschung von Krankheiten wie Leukämie. Erst mithilfe von Blutstammzellen können Knochenmarktransplantationen erfolgreich durchgeführt werden, weil Blutstammzellen das geschwächte Immunsystem eines an Leukämie erkrankten Menschen unterstützen, indem sie das fehlende Knochenmark ersetzen.

Auch wenn es bezüglich der Stammzellenforschung ethische Bedenken gibt, so besteht infolge Tsukamotos Arbeit und darauf aufbauender Forschungen eine berechtigte Hoffnung – nämlich diejenige, zahlreiche Erkrankungen des Blutes und des Immunsystems möglichst bald heilen zu können.

Rachel Carson – Wegbereiterin der Umweltbewegung, die Greta Thunberg 1.0

Nur selten gelingt es Wissenschaftlerinnen, mit ihren Forschungsarbeiten gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen und dadurch auch berühmt zu werden. Die Biologin und Umweltwissenschaftlerin Rachel Carson (1907–1964) hat es geschafft: Mit ihrem Werk „Silent Spring“ (deutscher Titel: „Der stumme Frühling“, 1962) legte sie den Grundstein für die US-amerikanische Umweltbewegung, die nach wie vor aktiv ist. „Silent Spring“ lässt sich der literarischen Strömung des Nature Writing zuordnen. Diese fokussiert die Beziehung zwischen Mensch und Natur sowohl aus naturwissenschaftlicher als auch aus philosophischer Perspektive.

In ihrem Buch prangert die Forscherin den massiven Einsatz von Pestiziden an. Diese Schädlingsbekämpfungsmittel, so Carson, würden nicht nur die Gesundheit der Menschen bedrohen, sondern auch das ökologische Gleichgewicht und damit die Existenz von Flora und Fauna. „Silent Spring“ blieb nicht folgenlos: Die anschließende politische und gesellschaftliche Diskussion über Bekämpfungsmittel führte zum Verbot des Insektenvernichtungsmittels DDT, das zuvor großflächig in der Landwirtschaft eingesetzt worden war. Mittlerweile weiß man, dass dieses Insektizid sich in der Nahrungskette von Menschen und Tieren anreichern kann. Es verursacht hormonelle Mutationen und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Ironie des Schicksals: Nicht Rachel Carson wurde mit einem Nobelpreis ausgezeichnet, sondern der Entdecker von DDT.

Auch mehr als fünfzig Jahre nach ihrem Tod gilt die Meeresbiologin noch immer als eine der einflussreichsten Wissenschaftlerinnen der USA. Das Interesse an Carsons umweltpolitischem Engagement beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Vereinigten Staaten: Auch in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen wird Carsons Vermächtnis weiterhin rege rezipiert und diskutiert. So wurde die deutsche Fassung von „Silent Spring“ 2019 neu verlegt und am Rachel Carson Center for Environment and Society“, das zur Münchner Ludwig-Maximilians-Universität gehört, können Studierende aus aller Welt gemeinsam und transdisziplinär den Bereich der „Environmental Humanities“ erforschen.

Tu Youyou – Mit TCM gegen Malaria

Wussten Sie, dass Malaria als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt gilt? Jährlich sterben etwa eine Million Menschen an der tropisch-subtropischen Erkrankung. Übertragen wird Malaria von Stechmücken, die wiederum selbst mit Malaria-Erregern infiziert sind. Doch dank Tu Youyou muss die Malaria-Diagnose nicht länger mit einem Todesurteil gleichgesetzt werden, weil die 1930 geborene Wissenschaftlerin ein Medikament entwickelt hat, das viele Leben retten kann.

Bei ihren Forschungen profitierte die Pharmakologin auch von ihren Kenntnissen über die Effekte chinesischer Heilpflanzen: Nach einem intensiven Studium der jahrtausendealten traditionellen chinesischen Medizin (TCM) konnte Tu Youyou den Wirkstoff Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß isolieren, einer Pflanze, die zur Gattung der Korbblütler zählt. Dieser Wirkstoff stellte sich als ein wirksames Mittel gegen Malaria heraus. Für ihre Forschung erhielt die Wissenschaftlerin 2015 als erste Chinesin den Nobelpreis für Medizin. Folglich sind Tu Youyous Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Malaria-Bekämpfung der beste Beweis dafür, dass Tradition und Innovation einander auch in den Naturwissenschaften nicht ausschließen, sondern ergänzen.

Françoise Barré-Sinoussi – Pionierin der HIV-Forschung

Die Virologin Françoise Barré-Sinoussi gilt als Entdeckerin des HI-Virus. Eine Infektion mit dem Virus kann – wenn sie unentdeckt oder unbehandelt bleibt – die Immunschwächekrankheit AIDS auslösen. Bereits im Jahr 1983 entdeckte Barré-Sinoussi den Zusammenhang zwischen einer Infektion mit dem Virus und der sich damals zur Pandemie entwickelnden Krankheit.

Auf Basis von Barré-Sinoussis Grundlagenforschung konnte man Medikamente entwickeln, welche die Immunschwächekrankheit zwar bis heute nicht heilen, mit deren Hilfe aber AIDS-spezifische Symptome möglichst lange unterdrückt werden. Barré-Sinoussi ging auch der Frage nach, wie sich die Übertragung des HI-Virus zwischen Infizierten und Nicht-Infizierten vermeiden lässt, so zum Beispiel diejenige zwischen Schwangeren und deren Embryos. Die Forschungsarbeit der Virologin wurde 2008 mit dem Nobelpreis honoriert.

Wissenschaftlerinnen sind immer noch unterrepräsentiert

Fazit: Superheldinnen gibt es auch im „echten Leben“ – nur tragen sie eben Laborkittel und kein Kevlar. Ohne Frauen in der Wissenschaft verliefe unser Leben langsamer, langweiliger – und vor allem sehr viel tödlicher. Niemand behauptet, dass Frauen die besseren Menschen sind. Der Punkt ist ein anderer: Frauen leisten mindestens genauso gute wissenschaftliche Arbeit wie Männer, müssen dabei aber oft sehr viel größere Hürden überwinden, ganz gleich, aus welchem Land, Kulturkreis oder Jahrhundert diese Frauen letztlich stammen.

Dieses Who’s Who berühmter und faszinierender Wissenschaftlerinnen bildet nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs. Schließlich gibt es unzählige weitere berühmte Wissenschaftlerinnen, die einen großen Einfluss auf die moderne naturwissenschaftliche Forschung ausgeübt haben und dies auch weiterhin tun. Sie alle hätten es verdient, in dieser Ahnengalerie erwähnt zu werden: Von der Kernphysikerin Lise Meitner bis hin zur Ökonomin Esther Duflo, deren Arbeit 2019 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde; von der ersten promovierten Ärztin Dorothea Christiane Erxleben im 18. Jahrhundert bis zu Gertrude Elion, einer Pionierin der Chemotherapie.

Leider waren Forscherinnen immer unterrepräsentiert – und sie sind es auch weiterhin. Doch langsam brechen alte Strukturen auf, indem beispielsweise von institutioneller Seite her Maßnahmen ergriffen werden, um den Frauenanteil in der Wissenschaft kontinuierlich zu erhöhen. Im Rahmen dieser Bestrebungen entstehen Mentoring-Projekte zwischen dem wissenschaftlichen Nachwuchs und erfahrenen Kolleginnen. Zugleich engagieren sich die Universitäten – bezogen auf das Beispiel Deutschlands – für mehr Lehrstühle, die an Frauen vergeben werden; gleichwohl gibt es eigens für Wissenschaftlerinnen geschaffene Stipendienprogramme. Sichtbarkeit für wissenschaftlich tätige Frauen wird aber auch einfach dadurch geschaffen, dass man über sie spricht, schreibt und so das Andenken an ihre bemerkenswerten Leistungen in Ehren hält. Warum nicht mal ein Poster von Ada Lovelace ins Zimmer hängen, und nicht dasjenige vom Zungenakrobat Einstein? Oder fürs Büro eine Tasse mit dem Konterfei von Carson wählen?!

Infolge all dieser Bemühungen erhalten Wissenschaftlerinnen allmählich etwas mehr Anerkennung für das, was sie auf dem Gebiet der Forschung leisten. Wir hoffen, dass sich dieser Trend fortsetzt und in Zukunft genauso viele einflussreiche Frauen wie Männer die Wissenschaftswelt voranbringen. Und wer weiß, liebe Leserinnen: Vielleicht forscht just in diesem Moment eine Wissenschaftlerin an der nächsten Entwicklung, die unser aller Leben revolutionieren wird.

- Artikel vom MTQuMDQuMjAyMA==

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