Wohnkultur: Setzen Sie die Japanische Shoji-Wand clever ein © stock.xchng Wohnen & Design

Traditionelle japanische Wohnkultur und japanische Einrichtung – Konzentration auf das Wesentliche

Japan besitzt eine Wohnkultur, die sich von unserer kaum mehr unterscheiden könnte. Daher ist die typische Wohntradition der Japaner auch nur teilweise auf die westlichen Gegebenheiten übertragbar, denn klassische japanische Bauten sind an die schwül-heißen Sommer auf den Inseln abgestimmt. Für die kalten Wintermonate in Europa sind sie nicht geschaffen.

Aber Sie müssen ja nicht gleich ein japanisches Haus bauen, um einen Hauch von Japan in Ihr Zuhause zu holen. Wir stellen Ihnen einige japanische Einrichtungsideen vor, die auch in Ihren Wohnräumen fernöstliches Flair erzeugen.


Japanischer Einrichtungstipp – Weniger ist mehr

Grundsätzlich sollten Sie bei der Einrichtung Ihrer Wohnung einer Richtlinie folgen:

Weniger ist mehr!

In traditionellen, japanischen Wohnungen werden Sie kaum Deko und Möbel finden. Alles ist sehr sparsam eingesetzt. Dadurch entstehen klare Linie und Formen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Alltagsgegenstände verschwinden hinter einer Schrankwand, die japanische Wand kommt zum Einsatz, so dass sich im Raum fast nichts befindet. Dieser Einrichtungsstil widerspricht grundlegend unseren westlichen Gewohnheiten. In Deutschland gilt die Wohnung z.B. als Ausdruck der Persönlichkeit. Wenn Sie Ihren Lebensraum im japanischen Stil einrichten möchten, werden Sie auf jeden Fall einen Eindruck vermitteln: Aufgeräumtheit.

Wir empfehlen Ihnen, japanische Elemente mit europäischen Stilen zu mischen, was übrigens auch in Japan verbreitet ist. Sie werden nur noch selten die klassischen Häuser mit Papierwänden finden, die unser Bild von Japan prägen. Einige typische Merkmale des japanischen Wohnstils sind allerdings erhalten geblieben und auch in Deutschland umsetzbar.

Im Video erhalten Sie einige interessante Anregungen, wie Sie japanische und westliche Einflüsse harmonisch miteinander verbinden können:

Verwenden Sie für die Einrichtung möglichst viele natürliche Materialien wie

  • Bambus,
  • Holz,
  • Sisal und
  • Reispapier.

Dadurch entsteht eine sehr natürliche asiatische Atmosphäre.

Der gezielte Einsatz von Lampen und Wasserelementen wie Schalen oder ein Aquarium, das nicht unbedingt mit Fischen bestückt sein muss, unterstützt die klassische Energielehre des Feng Shui, die auch in Japan häufig eingesetzt wird.


Shoji und Fusuma – Schiebetüren zur Raumgestaltung – japanische Wand

Eine Möglichkeit, japanisches Flair in Ihre Wohnung zu bringen, ist z. B. eine Papierwand als Raumteiler. Unterschieden wird zwischen

  • Shoji und
  • Fusuma.

Shoji sind die klassischen Reispapierwände, die lichtdurchlässig sind. Sie werden daher bevorzugt als Außenwände genutzt und erzeugen das angenehme, weiche Licht in japanischen Räumen.

Fusuma hingegen werden in erster Linie als Trennwände innerhalb eines Hauses eingesetzt. Sie sind dicker, daher lichtundurchlässig, und normalerweise mit Pappe bespannt. Besonderes Merkmal ist, dass die Holzleisten, die ein Kennzeichen der Shoji sind, bei den Fusuma nicht zu sehen sind, da sie unter der Bespannung verbaut sind. Zudem ist immer ein Griff zum Auf- und Zuziehen vorhanden.

Heute haben Shoji und Fusuma ihre strikte Trennung verloren und werden häufig in Innenräumen eingesetzt, auch als Dekoelement, wie hier z.B. ein Shoji-Paravent, auch Byóbu genannt:

Japanische Shoji-Wand

Byóbus, typische Raumteiler, sind übrigens eine einfache Variante, ein Stück Japan nach Hause zu holen. Sie sind entweder klassisch schlicht, wie der Shoji-Paravent, oder aber bemalt und reich verziert mit asiatischen Motiven. Eine günstige Alternative zu Shoji- oder Fusuma-Wänden.

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Über die Haltbarkeit der Reispapierwände müssen Sie sich übrigens bei hochwertiger Ware keine Gedanken machen. Das Papier ist wesentlich haltbarer als erwartet. Heute wird vor allem reißfestes Papier aus industrieller Herstellung oder sogar Kunststoff in Papieroptik verwendet.

In Deutschland gibt es einige Handwerker, die sich auf den Einbau maßgefertigter Shoji und Fusuma spezialisiert haben. Wenn Sie viel Platz haben, sind die eleganten Zwischenwände auf jeden Fall ein Highlight in Ihrer Wohnung.


Tatami – Typisch asiatische Bodenmatten sorgen für Gemütlichkeit

Typischer Bodenbelag japanischer Wohnungen sind Tatami-Matten. Wohnungen werden in Japan sogar in Tatami gemessen, da die Matten früher auf die Größe 91,4 x 182 cm genormt waren. Auch in Deutschland sind die dekorativen Reisstrohmatten erhältlich.

Japanische Reisstrohmatten

Wenn Sie in Ihrer Wohnung Tatami verwenden möchten, sollten Sie allerdings gleichzeitig eine weitere japanische Tradition übernehmen: Ziehen Sie Ihre Schuhe vor Betreten der Wohnung aus. Die Matten sind schwer zu reinigen und werden schnell beschädigt.

Ein Nachteil ist allerdings die Dicke der Tatami. Die Matten sind etwa 6 cm dick, so dass sie in Deutschland häufig nicht vor Türen ausgelegt werden können. In Japan wird dieses Problem mit Hilfe von Schiebetüren geregelt. Tatami empfehlen sich daher als Einrichtungselement hauptsächlich als Teilbodenbelag eines Raumes oder z. B. für Wintergärten und Räume, die in Ihrer Wohnung ebenfalls Schiebetüren besitzen. Ideal ist natürlich die Verbindung von Shoji / Fusuma und Tatami.


Japanische Möbel – Setzen Sie elegante Akzente

Möbel sind in Japan häufig auffällige Design-Akzente, die in überwiegend leeren Räumen Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die hochwertige Verarbeitung macht die Stücke auch in heimischen Wohnzimmern zum absoluten Hingucker für Anhänger japanischer Einrichtung.

In Europa besonders beliebt sind z.B.

  • Tansu, japanische Kommoden,
  • reich verzierte Medizinschränke,
  • Hako-Zen, multifunktionale Kisten, die z. B. auch als kleiner Tisch verwendet werden und
  • Kaidan Tansu, japanische Treppenmöbel, die ursprünglich wirklich als Treppen genutzt wurden.

Das edle Mobiliar verleiht, sparsam eingesetzt, jeder Wohnung Stil und Ästhetik.

Einige bekannte Designer, dessen Möbel Sie auch in Deutschland erhalten, sind z.B.

  • Nendo,
  • Naoto Fukasawa,
  • Karimoku oder
  • Tokujin Yoshioka.

Zwar können auch günstige Möbel im Asia-Stil einen gewissen Charme versprühen, sie sollten aber sehr vorsichtig eingesetzt werden, weil sie schnell klischeehaft und kitschig wirken. Halten Sie es besser wie die Japaner und legen Sie Wert auf Qualität und eine hochwertige Verarbeitung.

Im Schlafzimmer sollten Sie auf schlichte Eleganz setzen. Mittelpunkt des Raumes sollte ein Futon-Bett sein. Die niedrigen Betten sind in Japan allerdings weitgehend unbekannt. Dort legt man den Futon direkt auf den mit Tatami ausgekleideten Boden. Morgens werden Matratze und Decke aufgerollt und im Wandschrank verstaut. So können Räume multifunktional genutzt werden. Übrigens auch einer der Gründe, warum viele original japanische Möbel über Rollen oder Griffe verfügen. Ein weiterer, wesentlich wichtigerer Grund, ist allerdings die Erdbeben-Gefahr. Möbel sollen schnell bewegt werden können.

Das Esszimmer japanisch zu gestalten, stellt eine besonders große Herausforderung dar. Denn in Japan isst man an beinlosen Tischen auf dem Boden sitzend. Häufig werden auch Zaisu, sogenannte Sitzstühle, benutzt, beinlose Stühle mit Rückenlehne. Dieser Wohnstil ist in Deutschland ungewohnt, daher werden in Europa häufig Esszimmermöbel im asiatischen Stil verkauft, die zwar vom Design her japanisch aussehen, aber den hiesigen Gegebenheiten, Tisch und Stühle in ca. 1 m Höhe, entsprechen. Wenn Sie mutig sind und etwas ganz Neues ausprobieren möchten, werden Sie aber im Fachhandel auch echte japanische Bodenmöbel finden:

>>>Lesetipp:  Herbstliche Deko selber machen

Japanische Accessoires liegen im Trend

An was denken Sie, wenn Sie an japanische Accessoires denken? Uns fallen sofort

  • große Fächer,
  • winkende Katzen und
  • japanische Schriftzeichen

ein. Die Klassiker der asiatischen Dekoration. Dass die japanische Raumgestaltung aber noch viel weiter geht, beweisen Designer wie

  • Kinto oder
  • Muji.

Sie mischen klassische Eleganz mit dem modernen Japan und vertreten einen sehr nüchternen japanischen Stil. Die Accessoires der Designer sind auch in Deutschland erhältlich. Doch eine japanische Dekoration muss nicht immer vom Designer stammen. Viele Artikel finden Sie heute auch in Einrichtungs- und Dekoläden.

Als Wanddeko sind z.B. Noren besonders schön. Die Stoffvorhänge, häufig aus Leinen, waren ursprünglich Tür- oder Fenstervorhänge, machen sich aber als Wandschmuck ganz vorzüglich. Klassische japanische Motive wie

  • Geishas,
  • Koi-Karpfen,
  • Kirschblüten

oder japanische Kalligraphien geben Räumen eine asiatische Atmosphäre. Auch hier ist allerdings vor Kitsch zu warnen. Achten Sie auf stilvolle Motive und eine dezente Farbgestaltung.

Seit einigen Jahren Trend und in fast allen diesjährigen Mustern zu finden: Tapeten im Japan-Style. Angelehnt an japanische Blumenzeichnungen versprühen Sie einen sommerlichen Charme. Ob mutig flächig eingesetzt oder als Farbtupfer an „strategisch wichtigen Punkten“: Die Tapetenbahnen entfalten in Kombination mit asiatischen Accessoires ein sehr schönes fernöstliches Flair. Und sollte Ihre Japan-Phase nach einiger Zeit abebben, sind die Tapeten auch zu jedem anderen Einrichtungsstil passend.

Absolut im Trend und ursprünglich aus Japan: Masking-Tape. Sie finden es inzwischen in jeder gut sortierten Deko-Abteilung. Die Klebestreifen, die zuerst die japanische Firma Kamoi aus Washi-Papier herstellte, sind der Hit zum Verschönern von

  • Geschenken,
  • Wänden,
  • Bildern,
  • Büchern

und vielem mehr.

Hier einige weitere Tipps:

Masking Tape hat sich in den letzten Jahren so stark in Europa verbreitet, dass kaum noch bekannt ist, dass das Tape eine japanische Erfindung ist.

Im Video erhalten Sie zahlreiche weitere Einrichtungstipps, von traditionell bis modern:

- Artikel vom MjQuMDQuMjAxNA==

Alle Beiträge aus der Serie "Japan Special":

  1. Japan – Tradition und Moderne
  2. Die Japanische Küche
  3. Shodo – Kalligraphie
  4. Japanische Gartengestaltung
  5. Japanische Wohnkultur – Japanische Einrichtung

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