Der Nationalpark Aukštaitija in Litauen © Makalu / pixabay.com Urlaub

Von Jahr zu Jahr reisen immer mehr Touristen in die baltischen Staaten. Neben Lettland und Estland (hierzu empfehlen wir unseren Beitrag „Estland – zwischen wilder Natur, Tradition und modernem Stadtleben“) profitiert auch Litauen von dieser Entwicklung. Deutsche Reisende stellen inzwischen die zweitgrößte Besuchergruppe in Litauen dar. Das kleine Land, in dem nur knapp 3 Millionen Einwohner leben, freut sich über Touristen, die die unberührten Landschaften, das naturverbundene Leben und die vielfältige Kultur des Baltikumstaates erkunden wollen und mit ziemlicher Sicherheit auch lieben lernen. Wir stellen Ihnen Litauen als Urlaubsziel vor.

Die wichtigsten Reiseinfos für Litauen

Bei der Einreise in Litauen sind keine Besonderheiten zu beachten. Litauen ist EU-Mitgliedsstaat und hat das Schengener Abkommen unterzeichnet. Die Reisenden können daher sowohl mit Reisepass als auch mit gültigem Personalausweis ins Land. Auch die Zollbestimmungen unterliegen dem europäischen Recht.

Zum 01.01.2015 wurde die bisherige litauische Währung, der Litas, durch den Euro ersetzt. Damit war Litauen der letzte der baltischen Staaten, der die europäische Währung einführte. Für deutsche Touristen ist ab 2015 demnach kein Geldwechsel mehr erforderlich.

Wie für jede Reise ins europäische Ausland ist auch für den Aufenthalt in Litauen eine europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) erforderlich. Die Krankenkasse hilft gern mit Informationen weiter. Wir empfehlen außerdem eine Auslands-Reisekrankenversicherung.

Eine Reise in den Süden des Baltikums ist ohne große Vorplanung möglich. Litauen ist auch für Last-Minute-Urlauber ein ideales Reiseziel.

Traumhaftes Litauen – unberührte Natur und einmalige Lage

Litauen wird Sie überraschen. Das Land entspricht nicht den Vorstellungen, die man sich bezüglich baltischer beziehungsweise nordeuropäischer Staaten macht. Die Einwohner gelten als dermaßen temperamentvoll, dass das Land liebevoll „Norditalien des Baltikums“ genannt wird. Die bewegte Geschichte des Staates hat eine kulturelle Mischung hervorgebracht, die sich auf interessante, einmalige Art zwischen Westen und Osten, Tradition und Moderne bewegt. In Klaipėda gibt es ebenso wie auf der Kurischen Nehrung heute sogar noch Litauer, die im Alltag Deutsch sprechen. Angesichts der wechselvollen Geschichte des Landes verwundert das nicht. Immerhin wurde die an der Ostsee gelegene Hafenstadt Klaipėda (Memel) im 13. Jahrhundert von deutschen Rittern gegründet und – weil die Ritter die Mündung der Memel erreicht zu haben glaubten – „Memelburg“ genannt. Und immerhin war die Stadt bis 1920 die nördlichste Stadt Deutschlands und ein Außenposten deutscher Kultur.

 

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Das Bemerkenswerte an Litauen ist zudem die beeindruckende Natur, von der Ostseeküste mit der Kurischen Nehrung bis hin zu den urwüchsigen Waldlandschaften in den National- und Regionalparks.

An der Ostsee gelegen bietet Litauen seinen Besuchern attraktive Badeorte. Das warme und feuchte Seeklima zieht Familien, Badegäste und Kurzurlauber an. Die Küstenstädte

  • Palanga,
  • Klaipėda und
  • Neringa
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sind im Sommer ein beliebtes Ziel zahlreicher Touristen.

Unser Museums-Tipp: Im Kurort Palanga befindet sich ein Bernsteinmuseum, das bis zu 50 Millionen Jahre alte Exponate besitzt. Wer sich an der litauischen Ostsee erdgeschichtlich bilden will, ist hier am richtigen Ort.

Die Kurische Nehrung

Die Kurische Nehrung ist die eigentliche geografische Attraktion Litauens. Sie zählt zu den außergewöhnlichsten Landschaften Europas. An der litauischen Küste treffen sich drei Gewässer: Die Memel (litauisch: Neumunas), die in Weißrussland, etwas südlich von Mink entspringt und für kurze Zeit die Grenze zwischen Weißrussland und Litauen bildet, fließt in die Bucht des Kurischen Haffs. Beim Kurischen Haff handelt es sich um einen von den tieferen Teilen der Ostsee abgetrennten Brackwasserbereich, der sich wiederum in die Ostsee ergießt. Vor der Bucht des Kurischen Haffs nun liegt die Kurische Nehrung, die Halbinsel, die eher einen schmalen, sandigen Landstreifen darstellt und die das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Die Kurische Nehrung ist nur wenige Kilometer breit und liegt förmlich „mitten im Meer“.

Zu allen Zeiten hat es Urlauber zu diesem außergewöhnlichen Fleckchen Erde gezogen. Anfang des 19. Jahrhunderts war es der Gelehrte Wilhelm von Humboldt, der an seine Frau Caroline schrieb: „Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, dass man sie eigentlich ebenso gut als Spanien und Italien gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll.“ Ihm folgten unter anderem der deutsche Literaturnobelpreisträger Thomas Mann und die französischen Philosophen Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Ein auch von Thomas Mann und seiner Familie besuchtes, pittoreskes Urlaubsörtchen ist Nida. Genau in der Mitte der Kurischen Nehrung gelegen, die territorial zu Litauen und Russland gehört, bildet das liebevoll restaurierten Fischerdorf heute das Hauptziel von Reisenden, das touristische Zentrum der Insel, in dem besonders die vielen bunt bemalten Holzhäusern mit ihren Reetdächernder und verwilderten Blumengärten  die Urlauber anlocken.

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Holzhäuser im Örtchen Nida auf der Kurischen Nehrung © Makalu / pixabay.com

Doch auch die kilometerlangen Sandstrände, die dunklen Kiefernwälder und die hohen Dünen – unter ihnen auch eine der größten Dünen Europas, die über 60 Meter hohe Große Düne in der Nähe von Nida – haben ihren Reiz. Die Kurische Nehrung gilt als Nationalpark und steht unter besonderem Schutz. Die Dünen der Nehrung gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die beliebten Nationalparks des Landes

Litauen ist bei Touristen vor allem für seine Nationalparks bekannt. Neben der Kurischen Nehrung gibt es noch vier weitere Nationalparks (den Aukštaitija Nationalpark – der auch in unserem Beitragsbild zu sehen ist –, den Žemaitija Nationalpark, den Trakai Nationalpark und den Dzūkija Nationalpark) und 30 Regionalparks. Damit steht ein überdurchschnittlich großer Teil des Landes unter Naturschutz. Deshalb ist Litauen für Wanderer und Trekkingurlauber ein besonders attraktives Reiseziel.

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Besonders schöne Wanderwege gibt es in folgenden Parks:

  • im Nationalpark Dzūkija, dem größten Nationalpark in Litauen, der unter anderem eine 11 200 Hektar große, zusammenhängende Moorlandschaft aufweist.
  • im Regionalpark Memeldelta, direkt am Kurischen Haff gelegen.
  • im Nationalpark Kurische Nehrung mit den weltberühmten Dünen.
  • im Nationalpark Žemaitija im Nordwesten des Landes, der von vielen Seen und Hügeln gekennzeichnet ist.

Wussten Sie, dass in Litauen der geographische Mittelpunkt Europas liegt? Nach aktuellen Berechnungen befindet er sich im kleinen Dorf Purnuškės, nördlich von Vilnius. Bei einer Reise nach Litauen planen einige Urlauber einen kleinen Zwischenstopp ein, um diesen ganz besonderen Ort zu besuchen.

Litauens Hauptstadt Vilnius – Schmelztiegel der Kulturen

Auch wenn die litauische Hauptstadt Vilnius nur etwa 540 000 Einwohner hat, pulsiert hier das Leben. 2009 war Vilnius sogar (gemeinsam mit der Stadt Linz in Österreich) Kulturhauptstadt Europas. Durch die vielen kulturellen Einflüsse, die unter anderem von Russland, Polen und Deutschland ausgingen, hat sich eine einzigartige, von zahlreichen Nationalitäten geprägte Lebensart entwickelt. In Litauen ist Vilnius der „Meltingpot“ des Landes. Daher gilt die Hauptstadt auch als weltoffener und toleranter als der Rest Litauens.

Die historischen Gebäude machen, ähnlich wie in der estnischen Hauptstadt Tallinn, den Charme der Metropole aus. Die barocke Altstadt von Vilnius gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die überwiegend katholischen Kirchen sind attraktive Ziele für kulturinteressierte Reisende. Zum Wahrzeichen der Stadt gehört die Kathedrale Sankt Stanislaus.

Weitere religiöse Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch wert sind, sind unter anderem:

  • das Tor der Morgenröte, ein Wallfahrtort in der historischen Stadtmauer von Vilnius.
  • die Kasimirkirche, die dem Patron Litauens – dem heiligen Kasimir – gewidmet ist.
  • die römisch-katholische Annenkirche, ein seltenes Beispiel der Gotik in Litauen.
  • die Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter, eine orthodoxe Kirche.
  • die Choral-Synagoge, die nach der Besatzung der Deutschen als einzige von ehemals 105 Synagogen erhalten geblieben ist.
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Vilnius: im Vordergrund die Annen-, im Hintergrund die Bernhardinerkirche © Makalu / pixabay.com

Wer sich für die religiöse Kultur Litauens interessiert, sollte seine Reise nach Vilnius am Wochenende vor dem 3. März planen. Dann findet in der Altstadt die Kasimirsmesse statt, die von zahlreichen Veranstaltungen begleitet wird und tausende Menschen auf die Straßen lockt.

Die lebendige Musikszene macht Vilnius ebenfalls einzigartig. Besonders der litauische Jazz hat sich weltweit einen Namen gemacht. Alljährlich im Herbst findet das Vilnius Jazz Festival mit internationaler Starbesetzung statt. Es wird seit 1987 organisiert und bietet über vier Tage großartige Jazzkonzerte.

Ein Urlaub in Litauen lohnt sich sowohl für Aktiv- und Entspannungsurlauber, die eine Auszeit in unberührter Natur verbringen möchten, als auch für Reisende, die die Lebensart und Kultur Litauens kennenlernen möchten. Verbinden Sie beides miteinander und entdecken Sie Litauen von all seinen so unterschiedlichen Seiten.

- Artikel vom MzEuMDEuMjAxOQ==

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