Berühmte Künstlerinnen, die man unbedingt kennen sollte Medien & Kultur

In den Schriften der Kunstgeschichte werden durchaus viele berühmte Künstlerinnen aufgelistet, dennoch sind, in absoluten Zahlen, erheblich mehr Männer durch ihr künstlerisches Schaffen bekannt geworden, als dies bei Frauen der Fall ist. Hat dies mit dem jahrhundertealten Rollenbild zu tun, demzufolge Frauen vornehmlich am Herd, im Haus und bei der Erziehung der Kinder tätig sein sollten? Sind Frauen weniger qualifiziert, oder gar, wie es im späten 19. Jahrhundert von, natürlich männlichen, Kunsttheoretikern zu lesen war, durch die ominösen „weiblichen Kunstgrenzen“ behindert? Und sind Frauen, die sich der Kunst widmen, wie es damals der archetypische männliche Kunstkritiker argwöhnte, tatsächlich vom Verlust der „zarten Empfindung“, des „weichen Gefühls“ und der „Herzensreinheit“ bedroht, ja mehr noch: einem Materialismus verfallen, der die Individualität der Frauen zerstört?

Die weitgehend unbekannte Frauenrechtlerin, Medizinerin und Juristin Johanna Elberskirchen (1864 – 1943) hat bereits 1888 eine bissige Antwort auf diese verwegenen, aber offenbar seinerzeit weit verbreiteten Ansichten gegeben.

Stellvertretend für alle anderen Frauen seien hier nun vier berühmte Künstlerinnen aus verschiedenen Kunstrichtungen vorgestellt, die mittels ihrer Werke ihre je eigenen Antworten auf männliche Vorurteile und Dominanzbestrebungen geben.

Virginia Woolf

Virginia Woolf (1882-1941) war eine englische Schriftstellerin. Aufgewachsen in viktorianischer Prüderie und Benachteiligung der Frauen im Alltag, erlebte sie nicht nur die ersten emanzipatorischen Bewegungen Anfang des 20. Jahrhunderts, sondern gestaltete sie durch ihre Veröffentlichungen mit, vor allem mit dem Essay „Ein Zimmer für sich allein“, in dem sie eine eigene, auch räumliche Privatsphäre und ein eigenes Einkommen der Frauen für unabdingbar schilderte.

In die Liste der berühmten Künstlerinnen schrieb sie sich mit Romanen wie „Jacobs Zimmer“, „Mrs. Dalloway“, „Orlando“ und „Die Wellen“ ein. Die Virginia Woolf Society of Great Britain erinnert an die wohl größte Künstlerin der englischen Literatur.

Niki de Saint Phalle

Die Bildhauerin und Malerin Niki de Saint Phalle (1930-2002) wuchs überwiegend in den USA auf. Ein traumatisches Erlebnis in ihrer Kindheit, im Alter von elf Jahren, war bekanntlich der sexuelle Missbrauch, begangen durch ihren Vater; diese Tat verarbeitete sie in ihrer Kunst. 1952 kehrte sie nach Europa zurück und ließ sich in Paris nieder.

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Zuerst arbeitete Niki de Saint Phalle als Aktionskünstlerin. In die Reihe der berühmten Künstlerinnen wurde sie aber mit ihren „Nanas“ aufgenommen, üppig geformten und bunt bemalten Frauenfiguren aus Polyester. In Deutschland sind viele ihrer Schöpfungen in Hannover zu besichtigen. Nachdrucke der Werke berühmter Künstlerinnen können Sie auch in einem Kunsthaus online finden – nicht nur von Niki de Saint Phalle, so dass Sie sich die schönsten Werke nach Hause holen können.

Cindy Sherman

Wenn über berühmte Künstlerinnen geschrieben wird, darf die amerikanische Fotografin Cindy Sherman (geb. 1954) nicht fehlen. Sie ist hauptsächlich für ihre Fotoserien bekannt, die sich mit dem Thema der eigenen Identität, diversen Rollenklischees und Sexualität befassen. Für viele ihrer Aufnahmen veränderte sie ihr Aussehen mit Perücken, stilistisch unterschiedlicher Kleidung und Schminke.

Eine der bekanntesten Serien heißt „United Film Stills“. In den 69 Schwarzweiß-Fotos stellt sie sich selbst als Schauspielerin in frei erfundenen Filmszenen dar. Eine komplette Folge erwarb das Museum of Modern Art, das unter www.moma.org im Internet zu finden ist, 1995 für über eine Million Dollar.

Frida Kahlo

Berühmte Künstlerinnen wie die Malerin Frida Kahlo (1907-1954) gibt es in Mexiko kaum. Ein schwerer Unfall 1925 zwang sie zu fast permanenter Bettlägerigkeit. In dieser Zeit begann sie zu malen. Gegen alle Erwartungen lernte sie aber später wieder laufen. 1929 heiratete sie den damals schon weltberühmten Maler Diego Riviera, von dem sie sich wegen seiner ständigen Affären 1939 scheiden ließ, um ihn Ende 1940 ein zweites Mal zu ehelichen. Ihre oft autobiografisch geprägten Bilder weisen viele surrealistische Züge auf.

Eileen Gray

Eileen Gray (1879 – 1976) gilt als eine der bedeutendsten Architektinnen und Designerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie schuf ihre Werke im Rahmen der Bauhausbewegung und des Art Noveau, weshalb ihre Designs eher schlicht und modern-elegant sind. Sie stellte die Funktionalität der Architektur und der Innenausstattung über die Ästhetik und passte die Entwürfe ihrem jeweiligen Nutzen an.

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Diese Idee der Ästhetik spiegelt sich auch in ihrem Haus E. 1027 wieder, welches sie gemeinsam mit dem rumänischem Architekten und Lebenspartner Jean Budovici fertigstellte. Das Haus richtete sie ausschließlich mit eigenen Designs ein, welche überwiegend aus funktionalen Einbaumöbeln bestanden. Bis heute wurde ihr Tisch E. 1027 vielfach kopiert und ist von den Klassikern des Designs nicht mehr wegzudenken.

Ethel Smyth

Als musikalische Zeitgenossin von Virginia Woolf hatte auch sie mit dem strengen Gesellschaftsbild der damaligen Zeit zu kämpfen. Kreative Arbeiten waren damals überwiegend Männern vorbehalten. Dennoch verschaffte Ethel Smyth (1858-1944) sich mit viel Mühe und Arbeit Respekt in der damaligen Musikszene. Mit Hilfe von guten Kontakten erlangte sie eine angesehene Position als Musikerin und Komponistin. Dadurch gelang es ihr, ihre Opern, sinfonischen Werke und Kammermusik aufzuführen.

Nach dem Tod ihres Partners Henry Brewster schloss sich Ethel Smyth 1910 den Suffragetten, den Frauenrechtlerinnen in Großbritannien, an und komponierte zu der Zeit ihr wohl bekanntestes Lied „The March of the Women“, das zur Hymne der englischen Frauenbewegung wurde.

Künstlerinnen sind auf dem Vormarsch

Es gibt noch viele weitere berühmte Künstlerinnen, die erwähnenswert wären: Barbara Longhi, Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz, Artemisia Gentileschi, Angelica Kauffmann oder auch Annemarie Schwarzenbach. Doch leider sind viele nicht ansatzweise so berühmt, wie sie es verdient hätten. Man kann nur hoffen, dass sich dies in Zukunft ändert. Viele junge Künstlerinnen haben heute die Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren und haben so viel bessere Chancen als ihre Vordenkerinnen aus früheren Zeiten.

- Artikel vom MjguMDguMjAxMg==

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