Beauty physiotherapist at work
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Viele von uns waren bereits ein oder mehrere Male beim Physiotherapeuten und durften im besten Fall – zum Beispiel nach Maßnahmen im Bereich der Bewegungstherapie – eine unmittelbare Schmerzlinderung oder Wiederherstellung der Beweglichkeit feststellen. Derart wohltuende Erfahrungen sind wohl der Grund dafür, dass der Beruf des Physiotherapeuten – früher als „Krankengymnast“ bezeichnet – inzwischen sehr im Trend liegt.

Die Aufgabe der Physiotherapeuten besteht darin, Patienten, deren Bewegungsfähigkeit aufgrund von Krankheit oder Alter eingeschränkt ist, mit den Methoden der Bewegungstherapie, der Physikalischen Therapie, der Atemtherapie oder anderen Praktiken zu behandeln. Dabei werden je nach Behandlungsmethode Bewegungsübungen, Wärme, Kälte, Licht oder elektrische Reize beziehungsweise Übungen zur Verbesserung der Atmung oder Atemmechanik angewandt. Auch präventive Therapiemaßnahmen gehören zum Aufgabenfeld.

Ausbildungsstätten und -anbieter

Die Berufsbezeichnung Physiotherapeut ist gesetzlich geschützt und die dreijährige Ausbildung gesetzlich geregelt. Sie umfasst 1600 Stunden praktische und 2900 Stunden theoretische Ausbildung. Diese erfolgt im Regelfall unvergütet. Die theoretischen Unterrichtsinhalte werden durch eine staatlich zugelassene Ausbildungsstätte vermittelt, an der zumeist auch ein Teil der praktischen Ausbildung stattfindet. Der andere Teil erfolgt in einer für das Praktikum zugelassenen Einrichtung. Abschließend wird eine staatliche Prüfung abgelegt. In Deutschland gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Berufsausbildung zu absolvieren: an staatlichen Berufsfachschulen, an privaten Berufsfachschulen, als Studienfach an einer Fachhochschule, im Fernstudium oder in Form einer Weiterbildung.

Staatliche Berufsfachschulen

Staatliche Berufsfachschulen, die eine Ausbildung zum Physiotherapeuten anbieten, sind in der Regel an ein Universitätsklinikum angegliedert. Sie haben den Vorteil, dass sie kostenlos sind. Allerdings werden jährlich nur etwa 30 Ausbildungsplätze angeboten. Per Losverfahren wird entschieden, welche der zahlreichen Bewerber einen der begehrten Plätze bekommen.

Private Berufsfachschulen

Über ein weit größeres Angebot an Ausbildungsplätzen verfügen staatlich anerkannte Berufsfachschulen. Diese haben auch die Kapazitäten, ihre Schüler individuell zu betreuen. Die Kosten für die Ausbildung an diesen Instituten variieren, es bestehen jedoch Möglichkeiten zur staatlichen Förderung anhand von BAföG, KFW-Bildungskredit, etc.

Physiotherapie als Studienfach

Bereits im Jahr 2012 empfahl der deutsche Wissenschaftsrat, Heilberufe wie Physiotherapie an Fachhochschulen einzuführen. Inzwischen bieten einige FHs einen dualen Studiengang Physiotherapie an. Es gibt sogar Angebote, die es ermöglichen, parallel zur physiotherapeutischen Ausbildung das Fachabitur zu erwerben und anschließend ein Bachelor-Studium Medizinalfachberufe zu durchlaufen. Immer mehr Fachhochschulen bieten sogar die Option, einen Bachelor of Arts im Fachbereich Physiotherapie abzulegen.

Fernstudium

Die Ausbildung zur Physiotherapeutin kann auch berufsbegleitend innerhalb eines Fernstudiums erfolgen. Allerdings nicht gänzlich, da praktische und theoretische Kenntnisse in Anatomie notwendig sind. Diese werden zumeist im Rahmen von zusätzlichen Präsenzseminaren vermittelt.

Weiterbildung

Ausgebildete Masseure und medizinische Bademeister haben die Möglichkeit, auch nebenberuflich – sprich in Teilzeit – eine verkürzte Physiotherapie-Ausbildung zu machen. Alternativ kann diese Art der Weiterbildung durch einen Bildungsgutschein finanziert werden.

Auch für bereits staatlich anerkannte Physiotherapeuten sind Fortbildungen ein Pflichtprogramm, da sich das Wissen um Behandlungsmethoden und -alternativen ständig erweitert.

Voraussetzungen für die Ausbildung zur Physiotherapeutin

Voraussetzung für die Physiotherapie-Ausbildung sind Mittlere Reife oder Fachabitur. Doch auch mit einem Hauptschulabschluss und zweijähriger Berufsausbildung kann eine Physiotherapie-Schule besucht werden. So gut wie alle Institutionen verlangen ein abgeschlossenes dreimonatiges Pflegepraktikum noch vor Ausbildungsbeginn.

Benötigte Schlüsselqualifikationen sind ein grundlegendes Verständnis für Humanmedizin und körperliche Belastbarkeit. Letztere muss anhand eines ärztlichen Attestes nachgewiesen werden. Erwünscht sind darüber hinaus gute Noten im Fach Deutsch und in den naturwissenschaftlichen Fächern. Was inzwischen nicht mehr vorausgesetzt wird, ist die Vollendung des 17. Lebensjahres.

Das Bachelor-Studium Physiotherapie hingegen verlangt entweder eine abgeschlossene Ausbildung zum Physiotherapeuten oder die Fachhochschulreife.

Bewerbung um einen Ausbildungsplatz

Die meisten Bildungsträger bieten die Möglichkeit einer Online-Bewerbung. Verlangt werden zumeist ein Anschreiben, ein ausgefüllter und unterschriebener Bewerbungsbogen, ein tabellarischer Lebenslauf und eine Kopie des schulischen Abschlusses.

Ausbildungsinhalte: Theorie und Praxis

Inhalte der theoretischen Ausbildung sind Physiologie, Pathologie des Bewegungsapparates, physiotherapeutische Techniken und vor allem Anatomie. Ein fundiertes Wissen um die menschliche Anatomie ist die Basis der Arbeit als Physiotherapeutin.

Die praktische Ausbildung ermöglicht es den Schülern, Erfahrung mit Untersuchungs- und Befundtechniken sowie Behandlungsmethoden der Physiotherapie zu sammeln. Hier nur ein paar der vielfältigen Therapiemethoden:

  • Bewegungstherapie
  • Massagetherapie
  • Thermotherapie
  • Inhalationstherapie
  • Hydrotherapie
  • Elektrotherapie
  • Manuelle Lymphdrainage
  • Strahlen- und Lichttherapie
  • Balneotherapie

Darüber hinaus muss ein Physiotherapeut über fundierte Kenntnisse in den Bereichen Rehabilitation und Prävention, Trainings- und Bewegungslehre sowie Bewegungserziehung verfügen.

Fächer der klinischen Praxis sind unter anderem Orthopädie, Neurologie, Innere Medizin, Chirurgie und Neurochirurgie.

Eine Auswahl an Ausbildungsstätten

Die Spezialisierung als Sportphysiotherapeutin

Hat man bereits eine dreijährige Ausbildung zur Physiotherapeutin oder ein duales Fachhochschulstudium im Fach Physiotherapie absolviert, kann man sich im Rahmen von Zertifikatlehrgängen zur Sportphysiotherapeutin weiterqualifizieren. Hierfür bieten verschiedene Einrichtungen kostenpflichtige Kurse an, die zumeist praxisnah gestaltet sind und berufsbegleitend stattfinden. Sie vermitteln Kenntnisse, die auf eine Vereinigung von sportwissenschaftlichen und physiotherapeutischen Erfahrungsfeldern abzielen und zu denen das Erlernen rascher Untersuchung, schneller Diagnostik und adäquater Behandlungsmethoden ebenso gehören wie der richtige Umgang mit den sportlichen Patienten. Die Lehrgänge befähigen die Teilnehmer zur unmittelbaren Anwendung ihrer erworbenen theoretischen und praktischen Fertigkeiten.

Als zertifizierter Spezialist für die Behandlung von Sportverletzungen ist man vorwiegend in der sporttherapeutischen Betreuung von Breiten- und Spitzensportlern tätig. Diese kann im Rahmen akuter und abklingender Verletzungen erfolgen. Sie kann sich aber auch auf die allgemeine Versorgung in Training und Wettkampf erstrecken und somit vorwiegend im Bereich der Prävention angesiedelt sein.

Eine Auswahl an Weiterbildungsinstituten

Ein Beruf, der die unterschiedlichsten Möglichkeiten bietet

Nach Abschluss der Berufsausbildung bieten sich zahlreiche Möglichkeiten. Physiotherapeutinnen werden überall gebraucht, ob im Sportverein, im Krankenhaus, in orthopädischen Praxen, in Altenheimen und Rehazentren oder in Kurkliniken und Wellness-Hotels. Nach einigen Jahren Berufserfahrung im Angestelltenverhältnis ist es auch denkbar, sich mit einer eigenen Praxis selbständig zu machen.

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