The young woman and two children eat in cafe
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Eine Studie der Stiftung für Zukunftsfragen belegt, dass Deutschland in der Frage der Kinderfreundlichkeit gehörigen Aufholbedarf hat. Bei dieser Untersuchung wurden 15.000 Europäer aus 13 Nationen befragt, ob sie ihr Land als kinderfreundlich einschätzen. Platz eins unter den Teilnehmer-Ländern belegte Dänemark. 86 Prozent der befragten dänischen Bürger attestierten ihrem Land eine ausgeprägte Kinderfreundlichkeit. Deutschland belegt den zwölften und damit vorletzten Platz. Nur die an der Studie teilnehmenden Russen schätzten ihr Land als noch weniger kinderfreundlich ein.

„Das ist ein Restaurant und kein Spielplatz!“

Viele Eltern in Deutschland werden den Studienteilnehmern Recht geben. Schon ein banaler Restaurant-Besuch mit Kind wird häufig zum Fiasko. Zwar überreicht die nette Kellnerin eine Kinder-Speisekarte zum Ausmalen nebst Farbstiften, doch kindliche Aktivitäten, die über das Ausmalen hinausgehen, sind in den meisten Fällen unerwünscht. Eltern, deren Kind sich untersteht, herumzulaufen oder Emotionen zu zeigen, werden oftmals mit Unmutsäußerungen wie genervten Blicken bis hin zu offenen Anfeindungen bedacht.

Spielen, Toben und Brüllen erwünscht

In diesem Zusammenhang Abhilfe zu schaffen, ist seit etwa zehn Jahren zur Trendbewegung geworden. Das Gegenmittel nennt sich Kindercafé, Eltern-Kind-Café oder Familiencafé und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. In den meisten Fällen werden solche familienfreundlichen Lokale durch junge Eltern gegründet, deren Motivation es ist, einen Gastgewerbebetrieb auf die Bedürfnisse von Mit-Eltern und Kindern auszurichten.

Familiencafé mit Spielecke © Mi Mundo

Familiencafé Mi Mundo in Berlin – mit Spielecke © Mi Mundo

Die Cafés sind ebenso individuell wie ihre Betreiber. In so gut wie jedem Eltern-Kind-Café anzutreffen ist ein Spielbereich, jedoch in allen denkbaren Ausprägungen: Es gibt es Indoor-Spielplätze, Klettergerüste, Spielboote, Bällebäder, Puppentheater, Krabbelzimmer und ganze Märchenwelten – selbstverständlich mit entsprechender Spielzeug-Ausstattung. Ebenso vielfältig sind die Angebote für Eltern und Kinder: zur Auswahl stehen Vorträge und Seminare, verschiedene Events, Kinderküchen, Kinderbasteln, verschiedene Shopping-Möglichkeiten, Kinderwagenparkplätze, Biergärten, Windeln und Babygläschen, Kinderbetreuung und manchmal auch integrierte Kindertagesstätten.
Baby im Bällebad

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Welche Kindercafés gibt es?

Die Familiencafés sind jeweils auf unterschiedliche Alters- und Zielgruppen ausgelegt. Es gibt Lokale für Babys und Laufanfänger, aber auch solche mit Angeboten für ältere Kinder bis etwa acht Jahre, Cafés für Alleinerziehende, für Naturfreunde, für Sportbegeisterte und selbstverständlich für Kinder mit und ohne Behinderung. Zumeist gibt es einen Bereich zum Kaffeetrinken und Kuchen genießen und einen separaten Bereich zum Spielen und Toben. Das kulinarische Angebot reicht von Bio-Küche über selbstgebackene Kuchen bis hin zu außergewöhnlichen Speisen. Bereits bei der Einrichtung der Räumlichkeiten wird auf eine freundlich-familiäre Atmosphäre geachtet, und da die Café-Betreiber zumeist selbst Eltern sind, erfolgt die Betreuung der kleinen und großen Gäste entsprechend liebevoll. An solchen Orten treffen sich befreundete Eltern und Kinder gerne und mit etwas Glück können die Eltern ein wenig relaxen und eine Unterhaltung pflegen, während die Kinder spielen.

Unsere Auswahl an familienfreundlichen Cafés

Familienfreundlichkeit ist zeitgemäß

Deutschlands erstes Kindercafé entstand vor ca. 60 Jahren in der ehemaligen DDR. In einem Gebäude in Berlin-Friedrichshain waren nicht nur Wohnungen untergebracht, sondern auch ein Kindergarten, ein Kinderkaufhaus, ein Puppentheater und – im obersten Stockwerk – ein Kindercafé mit dem Eingangsvermerk „Erwachsene nur in Begleitung von Kindern“. Inzwischen gibt es viele verschiedene Formen und Ausrichtungen von Familiencafés. Der Bedarf steigt und mit ihm das Angebot. Besonders verbreitet sind Kindercafés in größeren Städten. Spitzenreiter ist mit etwa 60 ausdrücklich kinderfreundlichen sowie so benannten Kindercafés die Stadt Hamburg, dicht gefolgt von Berlin mit knapp 50 kindgerechten Lokalen.
Wer vorhat, an Regentagen in Begleitung des Nachwuchses eines dieser Cafés zu besuchen, wird nur mit Mühe einen Platz ergattern. Der Lärmpegel ist ohrenbetäubend und trotzdem zahlen die Eltern gerne die in vielen Fällen verlangte Spielgebühr. Ganz offensichtlich hat sich das durchaus zeitgemäße Bedürfnis, die Bespaßung der Kleinen mit der Pflege sozialer Kontakte und mit etwas Hedonismus in Einklang zu bringen, durch Kindercafés gesellschaftlich etabliert.

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Weiterführende Informationen

Audiotour durch Berlin
Babycafe in München

- Artikel vom MDMuMTEuMjAxNQ==

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