Hebammen geben Schwangeren Tipps © highwaystarz / Fotolia.com Gesundheit / Mein Körper

In Deutschland kommt inzwischen jedes dritte Kind durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Die Geburt im Operationssaal und die damit einhergehende Planbarkeit des Geburtstermins bietet für die Eltern und für die Kliniken viele Vorteile. Den Kindern jedoch ist mit einer natürlichen, von einer Hebamme begleiteten Geburt mehr gedient.

Geburten im Wandel der Zeit

Schon in der Antike war die Unterstützung einer werdenden Mutter beim Gebären ihres Kindes die Aufgabe einer anderen Frau beziehungsweise einer Hebamme. Männer gewannen erst mehr Einfluss auf die Geburtshilfe ab dem Zeitpunkt, als heilkundige Frauen aufgrund ihres Wissens und ihrer Fähigkeit, krankhafte Verläufe zu erkennen und Maßnahmen einzuleiten, das Ziel von Anfeindung und Verfolgung wurden. Ab dem 13. Jahrhundert konnten sich Männer an Universitäten, zu denen Frauen keinen Zugang hatten, zu Ärzten ausbilden lassen. Bei Geburten mussten zunächst jedoch weiterhin Hebammen zugegen sein, weil es einem Mann nicht erlaubt war, eine Frau im Intimbereich zu berühren.

Ärzte wurden im Laufe der Zeit zu besonders geachteten Mitgliedern der Gesellschaft. Frauen, die es sich leisten konnten, ließen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts daher von Ärzten entbinden. Der überwiegende Teil der Frauen wurde bei der Hausgeburt jedoch von einer Hebamme unterstützt. Der Trend zu einer Geburt in der Klinik, in der Ärzte und Hebammen vor allem dann zusammenarbeiteten, wenn es bei den Geburten zu Komplikationen kam, setzte in den 40er und 50er Jahren ein. In den 90er Jahren, in denen man sich auf alte Methoden und Gebräuche zurückbesann, wurden dagegen wieder vermehrt Geburtshäuser aufgesucht. Heute geht die Tendenz dahin, die Entbindung durch einen Kaiserschnitt zum Wunschtermin ganz in die Hände von Ärzten zu legen.

Operation verdrängt natürliche Geburt

Der erste moderne Kaiserschnitt, bei dem die Bauchdecke und die Gebärmutter der Schwangeren quer durchtrennt und nach der Entnahme des Säuglings wieder fest vernäht wurden, wurde 1881 durchgeführt. Die Müttersterblichkeit bei Komplikationen während der Geburt verringerte sich durch diese Operationsmethode von 50% auf 1%. Seitdem sind die Abläufe und die hygienischen Bedingungen im Operationssaal soweit verbessert worden, dass auf 140.000 Kaiserschnittentbindungen ein Todesfall kommt. Viele Frauen verleitet das vermeintlich geringe Risiko dazu, sich, obwohl keine medizinische Notwendigkeit besteht, einem Kaiserschnitt zu unterziehen. Nur in etwa jedem 10. Fall gibt es absolute Indikationen, also zwingende geburtsmedizinische Gründe, für einen operativen Eingriff wie sie bei der Querlage des Kindes oder der Lage des Mutterkuchens vor dem Muttermund gegeben sind. Viele Mütter wollen jedoch einen chirurgischen Eingriff über sich ergehen lassen, obwohl diese zwingenden Gründe nicht vorliegen.

Motive für den Wunsch-Kaiserschnitt

Dem Wunsch-Kaiserschnitt, auch Gefälligkeitssectio genannt, liegen einige Motive zugrunde. Vor allem sind es weiche relative Indikationen wie die Angst vor den Schmerzen während der Geburt oder vor nachgeburtlichen Beeinträchtigungen der Blase, des Darms oder des Geschlechtsverkehrs. Auch aus Furcht vor einem Kontrollverlust und aus dem Wunsch nach Selbstbestimmung schrecken Schwangere vor einer vaginalen Entbindung zurück. Immer häufiger wollen Frauen beziehungsweise Paare aber auch das genaue Geburtsdatum ihres Kindes festlegen, um die Geburt besser planen und einplanen zu können. Eine Hebamme, die die Frau in der Vorbereitung auf eine natürliche Geburt unterstützt und den Zustand von Mutter und Kind während dieser Art der Entbindung überwacht, wird im Falle eines Kaiserschnitts erst wieder zur Beratung im Wochenbett gebraucht. Doch sogar diese Betreuung der jungen Eltern und des Neugeborenen, stellen Paare, deren Kind per Kaiserschnitt zur Welt gekommen ist, mitunter in Frage.

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Gefahren durch die Geburt nach Plan

Die bessere Planbarkeit und die größere Entspanntheit, die sich Frauen von einer Schnittentbindung versprechen, können die Gefahren, denen sie ihr Kind damit aussetzen, nicht aufwiegen. In der Regel führt man einen geplanten Kaiserschnitt zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin durch. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass die Wehen überraschend einsetzen und somit eine natürliche Geburt beginnt. Zwei oder mehr Wochen vor dem ermittelten Termin der Geburt am Ende der 40. Schwangerschaftswoche befinden sich die Ungeborenen oft noch nicht in der Beugeposition, die sie in Vorbereitung auf ihren Weg durch den Geburtskanal einnehmen. Das Fruchtwasser, das beim Beugen durch Zusammenpressen des Brustkorbs aus den Lungen gedrückt wird, konnte noch nicht entweichen. Kinder, die in diesem Stadium entbunden werden, haben Probleme, das Fruchtwasser aus und Luft in die Lungen zu bekommen und benötigen häufiger eine Atemhilfe. Auch haben Kinder, die zu früh per Kaiserschnitt geholt werden, ein erhöhtes Risiko, später im Leben an

  • Allergien,
  • Asthma,
  • Autoimmundefekten,
  • Diabetes oder
  • kognitiven Störungen

zu leiden. Das bestätigte auch Babett Ramsauer, die Leiterin der Geburtsmedizin am Vivantes Klinikum in Neukölln, in einem Interview aus dem Jahr 2013.

Baby nach der Geburt

Auf natürlichem Wege Geborene sind häufig gesünder © zlikovec – Fotolia.com

Weder bei dem Baby noch bei der Mutter werden bei einem Kaiserschnitt die Hormone ausgeschüttet, die ein natürlicher Geburtsvorgang freisetzt. Dadurch können die Mutter-Kind-Beziehung und das Stillen ebenso beeinträchtigt werden, wie durch die Trennung des Neugeborenen von der Mutter für eine notwendige Behandlung. Diese Nachteile lassen sich jedoch zu einem großen Teil ausgleichen, wenn die Mutter durch eine Hebamme unterstützt wird. Einige Ärzte aber wenden, um den möglichen Folgen eines Kaiserschnitts entgegenzuwirken, immer abenteuerlichere Verfahren an. Durch das Mitpressen bei der Entnahme aus der Gebärmutter oder sogar durch das eigenhändige Zugreifen bei diesem Vorgang sollen Mütter mehr an der Geburt beteiligt sein. Auf diese Weise soll nicht nur die Bindung der Mutter zum Kind erhöht, sondern auch die Kaiserschnittgeburt zum Erlebnis werden. Das führt zu weiteren Risiken für Mutter und Kind.

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Hebammen können Kaiserschnitten entgegenwirken

Ausgerechnet Hebammen, deren Hilfe in der Schwangerschaft und während der Entbindung überflüssig wird, wenn das Kind nicht auf natürliche Weise zur Welt kommen soll, können dem Wunsch nach einem Kaiserschnitt entgegenwirken. Durch ihre intensive, auch durch Hausbesuche erfolgende Begleitung und Betreuung der Frauen in der gesamten Zeit der Schwangerschaft können sie ein inniges Vertrauensverhältnis aufbauen. Dies ist einem Arzt, der an einem bestimmten Tag eine von vielen Operationen durchführt, nicht möglich. Auf der Basis dieses Vertrauensverhältnisses sollten die Schwangeren genau und umfassend über alle Abläufe und alle eventuellen Entwicklungen informiert werden. Dadurch lassen sich die Ängste vor einer natürlichen Geburt abbauen.

Hebammen haben ein tiefes Fachwissen über natürliche Geburten

Aber nicht nur die primären, also geplanten Kaiserschnitte können durch die Arbeit von Hebammen vermieden werden. Auch viele sekundäre Kaiserschnitte, sprich Kaiserschnitte, die nicht vor der Geburt geplant wurden, können dank einer Hebamme unnötig sein. Anders als Ärzte, die in ihrem Studium nichts über die natürliche Geburt lernen, haben Hebammen ein tieferes Fachwissen in diesem Bereich. Sie neigen auch bei schwierigeren Situation wie bei Mehrlingsgeburten oder bei einer Steiß- oder Beckenendlage nicht so schnell dazu, der natürlichen Geburt zuvorzukommen.

Kaiserschnitte aufgrund von Hebammenmangel

An manchen Kliniken, wie im Bruchsaler Krankenhaus, das unlängst für Schlagzeilen sorgte, werden Kaiserschnitte auch deshalb durchgeführt, weil es zu wenig Hebammen gibt, um den Kreißsaal rund um die Uhr zu besetzen. Daher werden Termine für die Schnittgeburt vereinbart, die in die „Öffnungszeiten“ fallen. Hebammenhilfe kann in manchen Regionen in Deutschland nicht mehr gewährleistet werden, weil viele Geburtshelferinnen ihren Beruf aufgrund der hohen Haftpflichtprämien aufgegeben haben. Bei einem Bruttoeinkommen von 1.250 bis 2.100 Euro im Monat sind die Aufwendungen von jährlich mehr als 4.000 Euro für die Berufshaftpflichtversicherung viel zu hoch. Die hohen Versicherungsbeiträge, die vor allem in den letzten Jahren drastisch gestiegen sind, sind nicht der Tatsache geschuldet, dass Hebammen mehr Fehler begehen als früher. Die Eltern klagen die Fehler allerdings häufiger ein und erhalten höhere Entschädigungen. Die Haftpflichtversicherung der Hebammen muss nicht nur für die medizinische, pflegerische oder soziale Versorgung, sondern auch für eventuelle lebenslange Einkommenssicherung und hohe Prozess- und Anwaltskosten aufkommen. Davor wollen sich die Versicherer von Hebammen schützen, indem sie ihre mögliche Zahlung im Schadensfall einplanen und dies auf die Beiträge der Hebammen abwälzen. Auf diese Weise ist der zunehmende Wunsch nach Planbarkeit gleich in zwei Fällen der Grund, der die Arbeit von Hebammen erschwert.

- Artikel vom MTAuMTIuMjAxNQ==

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