Erzieherin mit Kindern - Ⓒ highwaystarz / Fotolia.com Bildung / Mein Beruf

Putzige Babys füttern und in den Schlaf wiegen, mit süßen kleinen Kindern basteln, malen, singen, turnen und Verstecken und Fangen spielen und sich ausruhen, wenn die lieben Kleinen ihren Mittagsschlaf halten? Manche stellen sich den Berufsalltag einer Erzieherin wie ein endloses Vergnügen vor. Weit gefehlt. Um angemessen reagieren zu können, wenn der Luca die Leoni gebissen hat und um zu wissen, was zu tun ist, um Emma dazu zu bringen, sich die Schuhe selbst zu binden, braucht es Fachwissen und pädagogische Kompetenz.

Man muss die Verhaltensweisen von Kindern richtig deuten, sich in Konfliktsituationen gebührend verhalten können und wissen, wie Kinder jeden Alters und in jeder Lebenslage zu begleiten und zu betreuen sind. Außerdem ist Gewandtheit und Diplomatie im Umgang mit den Eltern und Großeltern der Kinder wichtig. Weiterhin erfordert es eine gute Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift sowie bisweilen auch EDV-Kenntnisse, um die Lernangebote für die Kinder zu erstellen und wöchentliche oder monatliche Berichte über deren Entwicklung zu verfassen.

Wer ist für den Beruf der Erzieherin geeignet?

Kinder zu mögen und sich gern mit Kindern zu beschäftigen, ist natürlich das wichtigste Kriterium für eine gute Kindererzieherin. Darüber hinaus eignen sich Frauen, die sensibel und ausgeglichen sind und auch in schwierigen Situationen die Nerven und die Oberhand behalten. Ebenso sollte man vertrauensvoll mit seinen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten können. Kreativität und handwerkliches Geschick sind zudem unabdingbare Voraussetzungen, wenn es um die Entwicklung von Lernangeboten und um die Erstellung von Beschäftigungsmaterial geht. Und auch körperlichen Belastungen muss man standhalten und unter anderem in der Lage sein, Kinder zu heben und länger zu tragen. Ein gutes Immunsystem ist ein unschlagbarer Vorteil für eine Erzieherin, da die Kleinen sich weder diskret abwenden, wenn sie niesen oder husten, noch wenn sie sich übergeben müssen.

Was gibt es für Möglichkeiten der Ausbildung zur Erzieherin?

Ausbildung

Um eine staatlich anerkannte Erzieherin zu werden, muss man eine Ausbildung absolvieren. Diese ist – anders als viele andere Ausbildungen in Deutschland – von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich organisiert. Der schulische Teil der Berufsausbildung erfolgt bundeslandabhängig in einer Berufsschule, Fachakademie oder Fachschule. Er dauert zwei bzw. drei Jahre. An diese theoretische Ausbildung schließt sich ein praktisches Jahr in einer sozialpädagogischen Einrichtung an (das bei bereits vorhandenen pädagogischen Erfahrungen um die Hälfte verkürzt werden kann). In manchen Bundesländern wird auch eine praxisintegrierte Erzieherinnenausbildung angeboten, bei der sich Schul- und Praxisphasen, wie bei einer dualen Ausbildung, auch innerhalb der Woche abwechseln. Am Ende der Ausbildung muss eine aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil bestehende Abschlussprüfung bestanden werden. Manchmal wird auch eine mündliche Prüfung abverlangt. Im Übrigen ist für Auszubildende mit Kindern oder mit hilfebedürftigen Angehörigen, die betreut werden müssen, eine Teilzeitausbildung mitunter ebenso möglich wie eine Ausbildung in Vollzeit.

Studium

Inzwischen gibt es mehr als 80 Studiengänge für Erzieher, die vorwiegend von Fachhochschulen angeboten werden. Man kann in drei Jahren einen Bachelorabschluss in

  • Angewandte Kindheitswissenschaften,
  • Bildung und Erziehung im Kindesalter,
  • Pädagogik der frühen Kindheit

oder anderen Studiengängen erwerben und nach Bachelorarbeit und Abschlussprüfung ebenfalls in einer Kindertageseinrichtung tätig sein.

Welche Kosten entstehen bei Ausbildung oder Studium?

Die Kosten einer Ausbildung hängen davon ab, an welcher Art von Berufsfachschule man sie aufnimmt. An privaten Schulen können bis zu 800 Euro Schulgeld pro Monat anfallen, während an einer staatlichen Schule oft nur die Literatur- und Materialkosten zu tragen sind. Ähnlich verhält es sich bei den Hochschulen. Hier fallen bei privaten Hochschulen von Beginn an Studiengebühren an, während an staatlichen Hochschulen nur Gebühren bis zu 650 Euro für das Semester verlangt werden, wenn Studienzeiten überschritten werden oder das Studium als Zweistudium aufgenommen wird. In allen Fällen besteht jedoch die Möglichkeit, BAföG zu beantragen oder sich um einen günstig konditionierten Bildungskredit zu bemühen.

Voraussetzungen für den Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums

Die unterschiedlichen Regelungen der Erzieherinnenausbildung in den Bundesländern betreffen auch die Zugangsvoraussetzungen. Der Realschulabschluss ist überall vorzuweisen. In manchen Regionen kann zusätzlich aber auch eine Ausbildung zur Kinderpflegerin oder sozialpädagogischen Assistentin gefordert sein. Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums ist dagegen die (Fach-)Hochschulreife. Doch auch eine Erzieherinnenausbildung kann in Kombination mit einer Zusatzprüfung zum Hochschulstudium an einer Fachhochschule berechtigen.

Welche beruflichen Möglichkeiten bietet der Beruf der Erzieherin?

Ausgebildete Erzieherinnen können in

  • Kindertagesstätten (Kitas),
  • Kindergrippen,
  • Kindergärten,
  • Kinderheimen oder
  • Horten

arbeiten. Frauen, die ein Studium absolviert und demzufolge tiefere Einsichten in neue wissenschaftliche Studien, Bildungs- und Entwicklungstheorien oder Sozialmanagement gewonnen haben, stehen in diesen Einrichtungen höhere Positionen wie die Stelle der Leiterin offen, die ausgebildeten Kindererzieherinnen erst nach mehrjähriger Berufserfahrung zugänglich sind.

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Wie hoch ist das Gehalt einer Erzieherin in der Ausbildung und was verdient eine Erzieherin nach Ausbildung oder Studium?

Während der Berufsschulzeit der Ausbildung verdient eine angehende Erzieherin in der Regel noch nichts. Im Praxisjahr ist dagegen ein Gehalt zwischen 1.300 und 1.450 Euro vorgesehen. Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt zwischen 1.700 und 2.300 Euro. Erzieherinnen mit akademischem Grad sind zwar gefragt und finden in der Regel schnell eine Anstellung, werden bei ihrem Einstieg im Moment aber meist nicht besser bezahlt als ausgebildete Erzieherinnen.

Fazit: Ein Beruf, bei dem man wissen sollte, was einen erwartet

Als Erzieherin kann man die eigene Kreativität ausleben. Man hat eine abwechslungsreiche Arbeit, einen Alltag voller Abenteuer und man darf Kinder bei ihrem Start ins Leben begleiten und sich an der frühen Prägung der Schützlinge beteiligen. Der Beruf bringt aber auch jede Menge Verantwortung, Strapazen für Körper und Geist und kritische Situationen mit sich. Er stellt deshalb Tag für Tag eine neue Herausforderung dar. Für die Frau, die weiß, worauf sie sich einlässt, kann es der schönste Beruf der Welt sein.

- Artikel vom MTguMDIuMjAxNg==

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