Work-Life-Balance © Lars Zahner / Fotolia.com Gesellschaft

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, und unser beruflicher und privater Alltag ist oftmals von Zeitdruck bestimmt: Vor dem Meeting noch kurz die Mails checken; in der Mittagspause schnell ins Fitnessstudio und dann ab in die Telefonkonferenz, die hoffentlich pünktlich endet, damit die Kinder rechtzeitig abgeholt werden können. Ein hektisch durchgeplantes Tagesprogramm wie dieses kann auf Dauer sowohl die Motivation als auch die Gesundheit und damit wiederum die Fähigkeit zu Höchstleistungen beeinträchtigen – ein echter Teufelskreis. Mit Hilfe von Lifecoaches und Stressmanagern lassen sich allerdings Strategien erlernen, die Leistungsdruck und Lebensqualität wieder ins Gleichgewicht bringen.

Was bedeutet Work-Life-Balance?

Das Streben nach diesem Gleichgewicht bezeichnet der Ausdruck „Work-Life-Balance“. Dabei wird davon ausgegangen, dass Beruf und Arbeit (= work) getrennt von Freizeit, Familie und sozialen Aktivitäten (= life) stattfinden. Wenn diese Bereiche sich gegenseitig behindern, entstehen Stress und das Gefühl der Überforderung. Eine ideale Work-Life-Balance dagegen wird so verstanden, dass beide Bereiche sich gegenseitig nicht negativ beeinflussen  – und sich durch positive Wechselwirkung sogar unterstützen.

Disstress und Eustress

Das Zusammenspiel der beiden Lebensbereiche kann als positiver oder negativer Stress empfunden werden:

  • Disstress (lat. „dis“ = schlecht) steht dabei für von außen kommenden bzw. selbst verursachten Leistungs- und Zeitdruck, der die Betroffenen körperlich, geistig und seelisch so unter Druck setzt, dass es längerfristig zu einem Burnout kommen kann.
  • Eustress (griech. „eu“ = gut) wirkt dagegen primär nicht als belastend: Obwohl auch hier bestimmte Tätigkeiten in einem bestimmten Zeitrahmen erledigt werden müssen, wird bei der Ausführung vor allem Freude empfunden.

Dennoch handelt es sich bei beiden Arten um Belastungen, die auch in ihrer gutartigen Ausprägung nicht zu unterschätzen sind: Eine Analyse der Work-Life-Balance kann dabei helfen, die Stress-Form zuerst zu erkennen und anschließend ihre Ursache(n) und die Lebenszeitaufteilung in Balance zu bringen.

Vom Sinn des Lebens

Was als ideale Aufteilung betrachtet wird, unterscheidet sich nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch von Generation zu Generation: Während für die Mehrheit unserer Großeltern ein von Arbeit geprägtes Leben als selbstverständlich galt, legen die meisten der zwischen dem Jahr 1980 und 1999 geborenen „Millenials“ besonders viel Wert darauf, ihre Zeit nützlich einzusetzen. Anders als der Vorgänger-Generation ist es ihnen dabei allerdings nicht so wichtig, Berufstätigkeit, Kindererziehung und/oder Freizeit strikt zu trennen – sie wollen lieber alles sinnvoll vereinbaren.

Die Definition der Balance ist also individuell und dynamisch: Generell geht es darum, beide Lebensbereiche bei der Zeiteinteilung so zu priorisieren, dass ein Gefühl von Zufriedenheit und Ausgeglichenheit erreicht wird. Oder anders gesagt: Es geht um das Glück des Einzelnen und was er für sich als den „Sinn des Lebens“ festlegt.

Auch politische, gesellschaftliche und geschlechterrollenspezifische Gegebenheiten sind wichtig – zum Beispiel, wenn es bei Frauen um die Vereinbarung von Kind und Familie oder bei Männern um die Übernahme einer Hausmann-Rolle geht. Dennoch gibt es vielfältige Möglichkeiten, die Work-Life-Balance so zu organisieren, wie es dem eigenen Wunsch entspricht; zum Beispiel:

  • „Simple living“: Um sich vom beruflichen Leistungszwang und finanziellen Notwendigkeiten so weit wie möglich zu emanzipieren, wird der persönliche Konsum stark eingeschränkt.
  • Private Erfüllung statt Karriere: Um sich familiär, sportlich, kulturell/künstlerisch oder politisch zu engagieren, wird die persönliche Freiheit über das Berufsleben gestellt.
  • „Sabbatical“: Bevor die Konzentration (wieder) voll auf Karriere und Beruf gerichtet wird, wird eine zeitlich beschränkte Auszeit zum Reisen oder zur Selbstfindung genommen.

Die Fähigkeit zur Resilienz

Bei der Definierung der persönlichen Idealsituation sind nicht nur die Aufteilung von Zeit, Geld und Entscheidungsspielraum von Bedeutung. Denn wie diese gewichtet werden, entscheiden die persönlichen Eigenschaften d.h. körperliche, emotionale und soziale Ressourcen. Der wichtigste persönliche Faktor ist dabei die Resilienz, also die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und als Anlass für Entwicklung zu nutzen. Diese psychische Widerstandskraft hat damit direkten Einfluss auf

  • Gesundheit
  • Bewältigungsstrategien
  • Selbsterhaltung
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Um die Fähigkeit zur Resilienz zu steigern und seine individuellen Ziele zu erreichen, kann ein professionelles Stressmanagement helfen.

Was ist Stressmanagement?

Stressmanagement bezeichnet all die Methoden, mit deren Hilfe psychisch belastender Stress verringert und/oder abgebaut werden kann. Diese Techniken lassen sich in Zusammenarbeit mit einem Stressmanager bzw. Lifecoach erlernen. Dabei richtet sich das Augenmerk auf zwei Punkte:

  • Offene Kommunikation in Bezug auf die psychische Belastung d.h. es ist „in Ordnung“, sich gestresst zu fühlen und Betroffene müssen sich nicht für ihre scheinbar fehlende Belastbarkeit schämen
  • Identifizierung persönlicher Ressourcen zur Förderung der Stresskompetenz d.h. auf welche Stärken kann der Betroffene zurückgreifen, um das aktuelle Problem zu bewältigen und zukünftige Situationen besser zu meistern?

Stressmanager und Lifecoaches führen hierfür Seminare und Workshops durch oder bieten auch eine längerfristige Beratung an. Dabei kann es sich um präventive Fortbildungen oder Beratungen zur praktischen Lösung eines aktuellen Problems handeln.

Wie funktioniert Stressmanagement? Methoden, Konzepte und Techniken

Abhängig von der jeweiligen Situation und den persönlichen Ressourcen wenden Stressmanager und Lifecoaches dabei eine oder mehrere multimodale Techniken an. Zu den bekanntesten Methoden gehören etwa

  • Emotional: Negative Gefühle, Ängste, Unsicherheit und Ärger über Situationen und sich selbst werden erkannt, abgebaut und durch aktiv hervorgerufene positive Gefühle (Freude, Mut, Spaß) ersetzt.
  • Ganzheitlich: Hier werden körperliche Bedürfnisse nach mehr Yin (Ruhe, Entspannung, Gelassenheit) erkannt, und das Zuviel an Yang (Aktivität, Denken, Leistung, Druck) wieder ins Gleichgewicht gebracht.
  • Kognitiv: Wie bei einer Verhaltenstherapie werden hier Einstellungen, Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen zu Stresssituationen bewusst gemacht, auf Angemessenheit überprüft, gegebenenfalls korrigiert und auf das konkrete Verhalten in entsprechende (Arbeits- und Lebens-)Situationen übertragen.
  • Kreativ: Mit künstlerischen Mitteln aus Malerei, Plastik, Musik und/oder Literatur wird einerseits gestaltet, was den Alltag erschwert, und was andererseits für Entspannung sorgt.
  • Lösungsorientiert: Statt immer wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen, werden die erlernten negativen Reaktionen durch neue Gefühle und Handlungsweisen ersetzt.
  • Mental: Stressauslösende Wahrnehmungs- und Denkmuster werden erkannt, gestoppt und durch stressfreiere innere Dialoge in positivere Bahnen gelenkt.
  • Palliativ: Für Auszeiten im Hier-und-Jetzt werden Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Achtsamkeitsübungen, Fantasiereisen und Meditation eingeübt.
  • Strukturell: Durch angewandtes Zeitmanagement und einen geordneten Ablauf in bisher ungeordneten Systemen wird Stress ebenso reduziert wie durch den richtigen Umgang mit Störfaktoren.
  • Verbal: Stressreduzierende Kommunikation bei zwischenmenschlichen Konflikten werden genauso trainiert wie Grenzen setzen und „Nein“-Sagen können.
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Zielgruppen

Zur Zielgruppe gehören je nach persönlicher Belastbarkeit wohl die meisten, die privat und beruflich mit mehreren „Baustellen“ zu kämpfen haben – sei es der Spagat zwischen Arbeit und Familie, sei es ein Konflikt mit dem Chef und ein übermäßiger Workload, oder sei es das bloße Gefühl, nie genug Zeit zu haben. Stressmanagement kann daher in allen Bereichen stattfinden, zum Beispiel:

  • … am Arbeitsplatz: Viele Unternehmen schulen ihre Mitarbeiter in Seminaren präventiv im Bereich Konfliktbewältigung oder Zeitmanagement, während Führungskräfte dank Schulungen zum Thema Stresskompetenz einen positiven Einfluss auf Gesundheit und Motivation ihrer Mitarbeiter ausüben sollen (in unserem Beitrag über neue Arbeitskulturen erfahren Sie, wie der Work-Bereich für Arbeitnehmer angenehm gestaltet werden kann).
  • … im Erziehungsalltag: Beim familienzentrierten Stressmanagement geht es nicht nur darum, Eltern bei Pubertätskonflikten oder anderen Erziehungsproblemen zu entlasten. Auch Schulstress und Freizeitstress bei Kindern und Jugendlichen sowie generelle Stressbewältigung in der Familie werden präventiv oder situativ thematisiert.
  • … nach bestimmten Ereignissen: Bestimmte Berufsgruppen wie Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz erleben im Arbeitsalltag regelmäßig potentiell traumatisierenden Situationen, die durch Notfallseelsorge oder nachfolgende Stressbearbeitung kompensiert werden müssen.

Ziele beim Stressmanagement

Die Zielsetzung erfolgt individuell und gemeinsam mit dem Lifecoach. Generell setzt sich der Zweck von Beratungen und Seminaren aus verschiedenen Elementen zusammen:

  • Realität anerkennen: statt Stress ignorieren, Stress aktiv verarbeiten
  • Selbstbewusstsein schaffen: Kompetenzen und Grenzen erkennen und positiv nutzen
  • Stress meistern: Stressauslöser erkennen und gezielt abbauen
  • Organisation erlernen: sich selbst auf dem eigenen Weg ans Ziel führen
  • Erholungsphasen schaffen: entspannen und mentale Kraft sammeln
  • Gesundheit respektieren: Verspannungen, Reizbarkeit und Schlafstörungen reduzieren

Letztlich haben alle Maßnahmen ein gemeinsames Ziel: Energie für Höchstleistungen freisetzen und Zufriedenheit schaffen.

Fazit

Der Sinn hinter dem Work-Life-Balance-Konzept ist so simpel wie pathetisch: Wir leben nur einmal. Umso wichtiger ist es, sein Leben daher auf eine Art und Weise zu verbringen, die den wichtigen Dingen viel Raum einräumt – und den unwichtigen möglichst wenig. In der modernen Gesellschaft lässt sich Stress oft nicht vermeiden, doch Stressmanager und Lifecoaches können einen bei entstehendem, vorhandenem und anhaltendem Stress daran erinnern, dass „weniger“ letztlich doch „mehr“ sein kann.

Hier eine Auswahl an Stressmanagement-Seminarangeboten

- Artikel vom MjkuMDguMjAxNg==

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