Ostspanien - Valencias Architektur © Themil / pixabay,com Reise & Kultur

Katalonien, Valencia und die Balearischen Inseln – sie haben nicht nur jeweils eine eigene Amtssprache, sondern unterscheiden sich auch in Sachen Kunst und Architektur. Egal, ob Urlauber spontan Lust auf einen kleinen, aber imposanten Kurztrip haben oder für längere Zeit den Spuren einiger der bedeutendsten Architekten Europas folgen möchten: Bei den Reisezielen in Ostspanien, die wir in diesem Beitrag vorstellen wollen, geht der Stoff zum Staunen nicht so leicht aus.

Katalonien: Modernisme – Zeuge des vom Bürgertum vorangetriebenen Kulturwandels

Um 1885 bis 1920, zu einer Zeit, in der in Deutschland der Jugendstil, in Belgien und Frankreich die l’Art Nouveau sowie in Österreich die Wiener Secession vorherrschten, war Katalonien und war speziell die katalanische Hauptstadt Barcelona ebenfalls von einer Spielart des Jugendstils – vom Modernisme – geprägt. Dabei gilt der Modernisme oft als fortgeschrittenste Form dieser Strömung. Er ist nicht nur Ausdruck des damaligen Zeitgeistes, sondern steht auch für einen erstarkenden Nationalstolz und für das Streben nach Unabhängigkeit.

Das finanziell starke Großbürgertum Barcelonas, das seine wachsende Kapitalkraft der boomenden Industrie zu verdanken hatte, verschrieb sich der Renaixença, der Wiederbelebung der katalanische Tradition und Kultur. Von den großbürgerlichen Mäzenen wurden daher gezielt katalanische Künstler gefördert, die eine eigenständige katalanischen Architektur kreieren sollten.

Güell, Gaudí und Co. gestalten das Antlitz Kataloniens

Das Errichten von imposanten Gebäuden war die einzige und zugleich schönste Möglichkeit, um dem Adel offiziell Konkurrenz zu machen. Doch nicht nur das Streben nach Einfluss und Ansehen, sondern auch die Liebe zur Kunst und zur Bildung veranlasste die wohlhabende bürgerliche Oberschicht dazu, großzügige Aufträge an die besten Architekten des Landes zu vergeben.

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Der Parc Güell in Barcelona © TRAVELKR / pixabay.com

Einer der bekanntesten Mäzene und Unterstützer der Renaixença war der Industrielle Eusebi Güell, der in der Textilindustrie und auf dem Immobilienmarkt erfolgreich war. Er entdeckte Antoni Gaudí im Rahmen einer Pariser Ausstellung und war von ihm begeistert. Von ihm ließ er den weltbekannten Garten „Parc Güell“ und das Familienanwesen – den „Palau Güell“ – in Barcelona errichten. Insgesamt weist Katalonien über 2 000 Bauten im Modernisme auf. Und speziell Barcelona, die Stadt, die so viele Bauwerke auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes besitzt wie keine andere Stadt, ist mit zahlreichen Gebäuden dieser Strömung beschenkt.

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Drachen, Wappen und maurische Elemente

Die nationalistische Haltung und das Betonen der Eigenständigkeit Kataloniens spiegeln sich deutlich in der Architektur wieder. So findet man häufig Symbole der katalanischen Identität, historische Formen und traditionelle Motive der katalanischen Volkskunst in den Gebäuden wieder. Gaudí kehrte zum Beispiel immer wieder zum Motiv des katalanischen Wappens und zur Darstellung des katalanischen Patrons Sant Jordi zurück. Seine Interpretationen von Drachen sind noch heute eines der bekanntesten Symbole Barcelonas. Die Kombinationen verschiedener Formen und Farben verbunden durch kontrastreiche Materialien wie Backstein und Eisen, hinterlassen einen harmonischen und bleibenden Eindruck.

In den Gebäuden des Modernisme spiegeln sich auch deutlich die Charaktere ihrer Architekten wieder: Domènech i Montaner beispielsweise spielte gerne mit Keramikelementen an den Fassaden und griff somit maurische Motive auf. Antoni Gaudí bevorzugte natürliche Formen und optimale Strukturen.

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Antoni Gaudí: Eidechse im Parc Güell © khjgd2 / pixabay.com

Auszeit im Künstlercafé: Café Els Quatre Gats

Nach einer langen Besichtigungstour durch Barcelona ist auch mal eine Verschnaufpause notwendig. Warum nicht im Café Els Quatre Gats? Das Künstlercafé gilt als Geheimtipp in Barcelona. Denn auch wenn die Kunst anfangs noch ganz im Zeichen der Architektur stand, ließen die „Pinselvirtuosen“ nicht lange auf sich warten. Sie gründeten das Café „Die vier Katzen“ – Café Els Quatre Gats (Ausdruck für „verrückte Leute“). Bis heute werden hier Werke ausgestellt und Konzerte gegeben. Namhafte Künstler wie Pablo Picasso initiierten hier ihre erste Kunstausstellung.

Valencia: Von Weltkulturerbe und Epochenmix

Valencia überzeugt nicht nur mit modernen architektonischen Juwelen, sondern kann auch mit „alten“ baukünstlerischen Perlen dienen. Zum Beispiel gehört die ehemalige Seidenfabrik „La Lonja“ zu den bedeutendsten gotischen Bauten Europas. Sie wurde unter Aufsicht des Architekten Pere Compte 1533 fertiggestellt und ist heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Besonders interessant ist die Kathedrale Santa María de Valencia. An ihrer Fassade und an ihren Bauelementen sind die Veränderungen im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte abzulesen – immerhin hat jede Epoche an der Fassade der Kathedrale ihre Spuren hinterlassen. Gebaut auf dem Grund eines römischen Tempels und einer Moschee ist sie Zeitzeuge des Laufes der Geschichte: Die „Puerta de Apóstoles“ („Puerta“ ist das spanische Wort für „Tür“ oder „Tor“) wurde romanisch beeinflusst, die „Puerta Barroca“ ist nur eins der vielen Akzente aus der Zeit des Barocks. Außerdem haben Renaissance und Klassizismus ihre Spuren hinterlassen. Der gotische Glockenturm, „Torre de Miguelete“, ist heute das Wahrzeichen der Stadt.

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Die Plaza Almoina mit der Kathedrale Santa María de Valencia (Mitte) © amleto2001 / pixabay.com

Calatravas Bauten prägen Valencia

Der Architekt Santiago Calatrava (*1951) wird aus gutem Grund als der maßgebliche Sohn der Stadt Valencia bezeichnet. Immerhin hat er sieben bedeutende und repräsentative Gebäude in Valencia entworfen:

  • L’Hemisfèric: Das IMAX-Kino in Form eines sich öffnenden und schließenden Auges ist ein „wahrer Blickfang“ (zu sehen auf unserem Beitragsbild).
  • Museo de las Ciencias Príncipe Felipe: Das Naturwissenschaftliche Museum ist von außen genauso interessant, wie von innen.
  • L’Umbracle: Der Botanische Garten stellt nicht nur Skulpturen zeitgenössischer Künstler aus (unter anderem von Yoko Ono), sondern wird nachts zur Freiluft- Diskothek.
  • L’Oceanogràfic: Das Größte Ozeanium Europas beinhaltet ein Delfinarium und ein unterirdisches Aquarium.
  • Palau de les Arts Reina Sofía: Helmförmiges Opernhaus und Musikpalast.
  • Zum höchsten Punkt der Stadt kommt man am „Pont de l’Assut de L’Or‘“.
  • L’Àgora: In diesem geschlossenen Veranstaltungsplatz werden Konzerte gegeben sowie Ausstellungen und Sportveranstaltungen durchgeführt.
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Balearische Architektur – Ort der Inspiration für internationale Künstler

Die „casaments“, die traditionellen Familienhäuser auf den Balearischen Inseln, galten vielen internationalen Künstlern wie Chopin oder Miró als Inspirationsquelle. Die würfelförmigen, weißen Häuser spenden wohltuenden Schatten und kühlen die Einwohner in den heißen Mittagsstunden. Dicke Mauern und kleine Fenster harmonieren mit flachen Dächern und ländlichen Verandas. Diese elegante Nüchternheit und die praktische Ästhetik wurden unter anderem von den Architekten Le Corbusier, Josep Lluís Sert und Elías Torres stark bewundert. Im Kontrast zum türkisen Wasser und dem feinen, hellen Sand geben die schlichten „cases“ ein idyllisches Bild ab.

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„casaments“ auf Mallorca © grantuco / Fotolia.com

Die Architektur der Balearen ist jedoch nicht immer so einheitlich wie bei den kleinen Häusern „casaments“: So unterschiedlich wie die Völker, die die Inseln bewohnten, so unterschiedlich sind auch die architektonischen Stile. Immerhin haben auch die Talaiokulturen, die Römer, die Byzantiner, die Mauren und die Goten ihre Spuren hinterlassen.

Einige Beispiele aus Mallorca sind:

  • Naturpark Mondragó
  • Brücke über den Torrent de San Jordi
  • Reste der Basilika San Fiol
  • Badeanlagen
  • Llotja (Handelsbörse)

Katalonien, Valencia, Balearische Inseln – bereit für einen anregenden Urlaub?

Ob Sie sich für Katalonien, Valencia oder die Balearischen Inseln entscheiden – die sagenhaften Kulturschätze dieser Regionen werden Sie genauso inspirieren und beeindrucken wie die freundliche und lockere Lebensart der Spanier. Eins ist jedenfalls sicher: Ein Genuss für das Auge und Entspannung für die Seele sind die Gebiete Ostspaniens garantiert!

- Artikel vom MjQuMDEuMjAxOQ==

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