Reisefotografie: Der richtige Blick für das ExotischeMeine Reise / Reise & Kultur

Allzu oft stellt sich eine gewisse Ernüchterung ein, wenn man nach einer aufregenden Reise zu Hause die Bilder von der Speicherkarte auf die Festplatte überträgt: Die Fotos wirken lieblos, hingeklatscht und irgendwie gestellt. Von den Emotionen, den vielen Eindrücken und der Exotik, die man in den fernen Ländern erlebt hat, ist auf den Bildern kaum etwas übrig geblieben. Wie kommt es, dass sich das eigene Erleben so sehr von dem unterscheidet, was man am Ende auf den Fotos sieht? Und wie schafft man es, die Magie und den Zauber von fernen Ländern mit der Kamera festzuhalten?

Für phantastische Reisefotos bedarf es weder einer teuren Ausrüstung noch einer ausgefeilten Technik. Was zählt, sind ein Gespür für das richtige Verhalten als Reisefotograf im Ausland und ein Gefühl dafür, im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. Natürlich sollte man auch über ein paar einfache Grundregeln Bescheid wissen was Licht, Tageszeit oder Bildkomposition betrifft.

Die richtige Kamera für Reisefotos

Sich extra für die Reise eine teure Spiegelreflexkamera anzuschaffen, ist nicht notwendig. Im Gegenteil – die Handhabung ist für Ungeübte recht kompliziert. Während man noch damit beschäftigt ist, die richtige Brennweite einzustellen, ist der perfekte Foto-Zeitpunkt schon vorbei. Momente, die zu eingefangenen Erinnerungen werden sollen, passieren spontan. Da bleibt selten Zeit, eine sperrige Kameraausrüstung aufzubauen. Eine gute und handliche Digitalkamera im Bereich von 10 bis 16 Megapixeln reicht völlig aus. Sie lässt sich im Rucksack verstauen und passt oft sogar in die Hosentasche.

Besondere Motive – so gelingen einzigartige Reisefotos

In einer Welt, in der man nahezu jedes Bild von jedem Ort auf dem Planeten „ergoogeln“ kann, ist es manchmal eine ganz schöne Herausforderung, neue und beeindruckende Motive aufzuspüren. Nichts ist langweiliger als ein frontal geschossenes Foto einer Sehenswürdigkeit, die man ohnehin in jedem Reisekatalog findet. Bei einem Bild vom Eiffelturm bekommt kaum jemand noch Herzklopfen. Was wirklich berührt sind Details, Menschen, Emotionen und ja, auch eine Prise Kitsch. So lohnt es sich zum Beispiel auf einem orientalischen Bazar direkt ans Geschehen heranzugehen. Händler, die feilschen, Nahaufnahmen von exotischen Gewürzen oder eine Katze, die zwischen all dem Getümmel in der Sonne döst, transportieren die persönlich erlebte Stimmung viel intensiver als ein Foto vom ganzen Marktstand. Gute Reisefotografen fangen Geschichten ein und eben nicht nur Bilder. Klischees kann man zwar für seine Motive nutzen, viel spannender ist es jedoch, Stereotype mit etwas Humor zu entkräften – sofern sie einem vor die Linse kommen. Eine „italienische Mama“, die statt Pasta zu kochen, gerade ein paar Portionen Sushi rollt, wäre so ein Beispiel.

Gute Geschichten erzählen übrigens auch Schilder aller Art. Ausgefallene Hinweisschilder oder Namen von Sehenswürdigkeiten sagen viel über den Ort aus. Trotzdem sollte man auch sich Hin und wieder zu einem „Postkartenmotiv“ hinreißen lassen. Das sorgt für Abwechslung im Fotobuch und hilft natürlich, sich später noch besser an die Reise zu erinnern.

Fachkundige Fotografen greifen oftmals auf verschiedene Motive zurück und bieten einen harmonischen Mix von Postkartenmotiven, Nahaufnahmen oder Portraits von Menschen. Da steckt viel Geduld und Erfahrung dahinter, am Ende entstehen jedoch meistens faszinierende und exotische Reisereportagen. Auf ihren Webseiten präsentieren viele Fotografen ihre Werke und geben Raum zur Inspiration.

Die Menschen vor Ort

Fremde Länder wären ohne ihre Bewohner einfach nur unbekannte Landschaften. Bilder von Einheimischen, die beispielsweise ihrer Tätigkeit nachgehen sind immer einzigartig und damit etwas Besonderes. Damit man sich nicht wie ein unhöflicher Paparazzi vorkommt, der heimlich seine Kamera zückt, um ein nichtssagendes Bild aus der Hüfte zu schießen, sollte man immer vorher um Erlaubnis bitten. Das gilt natürlich besonders, wenn man Kinder fotografieren möchte. Das Recht am eigenen Bild ist Ehrensache, auch wenn sich gesetzliche Lage diesbezüglich von Land zu Land unterscheiden kann.

Fotos wirken authentischer, wenn man die Menschen nicht einfach steif in der Mitte des Bildes posieren lässt, sondern sie in ihrer natürlichen Umgebung aufnimmt. Marktschreier oder Straßenmusiker in Aktion sind besonders dankbare Motive. Ein weiterer Trick ist auch, ganz am Ende noch ein Foto hinterherzuschießen. Die Gesichter wirken viel entspannter und natürlicher, sobald die Menschen glauben, man sei mit dem Fotografieren schon fertig.
Wer freundlich auftritt, wird selten zurückgewiesen. Außerdem ist die Frage nach einem Foto eine tolle Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen. Dadurch entstehen nicht nur interessante Gespräche, sondern man bekommt noch einen Geheimtipp für die nächste Sehenswürdigkeit mit auf den Weg. Wichtig ist, dass man als Reisefotograf nicht überpräsent auftritt, sondern vielmehr eine zurückhaltende Beobachterrolle einnimmt.

Komposition – dem Bild einem Rahmen geben

Eine gute Bildkomposition lebt von Kontrasten. Sei es eine kleine, rote Blume vor einer großen, grauen Wand oder ein lachendes Kind, das zwischen ernst dreinblickenden Erwachsenen herumtollt. Kontraste erzählen nicht nur ebenfalls Geschichten, sie geben dem Betrachter auch ein Gespür für Größendimensionen. Auch sollte man in den meisten Fällen den berühmten Goldenen Schnitt berücksichtigen und das Motiv nicht mittig, sondern immer leicht versetzt positionieren.
Generell gilt: Gegensätze und auch das mit Einbeziehen von einem Vordergrund, wie Bäume oder ein Torbogen, lassen das Bild lebendiger und weniger zweidimensional wirken.

Tageszeit und Wetter – das schönste Licht für die Reisefotos einfangen

Naturliebhaber, die es auf schöne Landschaften abgesehen haben, sollten sich auf die frühen Morgenstunden oder den späten Nachmittag konzentrieren. Ein kräftiger und dunkelblauer Himmel lässt das Motiv intensiver und dynamischer erscheinen. Sonnenuntergangsbilder können zwar ebenfalls schön sein, hat man aber schon tausendfach gesehen. Für eine zauberhafte Tiefenwirkung lohnt sich daher zu warten, bis die Sonne knapp hinter dem Horizont verschwunden ist – das gilt besonders bei einem roten Abendhimmel.

Viele Urlaubsbilder wirken auch deshalb so beliebig und austauschbar, weil sie in der grellen Mittagssonne geschossen worden sind. Alleine dadurch geht viel von der exotischen Atmosphäre verloren. Manchmal hilft es auch, die Kamera für einige Stunden wegzulegen, um sich mit allen Sinnen auf das neue Land einzulassen. Wer mit wachen Augen durch die Welt geht, entdeckt das Ungewöhnliche im Alltäglichen und das Vertraute im Unbekannten. So entstehen von ganz alleine kreative Ideen für die nächsten Bilder.

Wie wäre es mit einer Fotoreise?

Eine weitere Möglichkeit bleibt aber noch: Wer weiterhin Scheu hat, stundenlang mit seiner Kamera zu experimentieren und nicht weiß, wo er anfangen soll, kann auch an einer Fotoreise teilnehmen. Gemeinsam mit einem erfahrenen Reisefotografen und anderen Interessenten lernen Sie, den richtigen Winkel zu finden und ein Gespür für das Motiv oder Licht zu entwickeln. Die Auswahl an Fotoreisen ist groß, wir haben einige schöne schon mal ausgesucht:


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