Ist es mehr als nur eine Sexbeziehung? Ⓒ stokpic.com / pexels.com Liebe & Sex / Mein Leben

Verantwortung nur für sich selbst zu haben; Karriere, Urlaub und Freizeit ohne Kompromisse gestalten zu können, das empfinden viele Alleinstehende als Vorteil am Single-Leben. Und ohne Partner zu sein, bedeutet mitnichten Einsamkeit – immerhin gibt es in der Regel Familie und Freunde. Doch was ist mit Zärtlichkeit und Intimität? Nach der Erfüllung dieser Bedürfnisse sehnen sich natürlich auch Singles. Entsprechend das Ergebnis einer Umfrage der Online-Partnervermittlung ElitePartner in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Fittkau und Maaß: Ein Drittel der Befragten hatte trotz aktuellem Single-Status ein Mal pro Woche oder wenigstens ein Mal pro Monat Sex.

Die Zwanglosigkeit einer reinen Sexbeziehung gefällt auch vielen Single-Frauen: Sie verpflichten sich zu nichts, brauchen aber nicht auf Stunden der Zweisamkeit zu verzichten und können, wenn sie wollen, zur gleichen Zeit weiterhin nach „dem Richtigen“ Ausschau halten. Die Gestaltung und Intensität der Affäre ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich: Manche treffen sich stundenweise im Hotel, andere gehen gern ins Kino oder ins Theater, bevor es miteinander ins Bett geht; wieder andere fahren gemeinsam übers Wochenende weg, haben aber den Rest der Woche über praktisch keinen Kontakt.

Ein Merkmal von Affären ist sicherlich ihre zeitliche Begrenztheit. Selten dauern sie länger als ein paar Monate. Natürlich kommen auch immer wieder sexuelle Beziehungen vor, die über Jahre aufrechterhalten werden, doch in diesem Fall sollte man sich fragen, ob es sich hierbei noch um eine Affäre im klassischen Sinn handelt. Ein jahrelanges Verhältnis spricht eher dafür, dass man nicht nur auf der sexuellen, sondern auch auf der geistigen und emotionalen Ebene harmoniert, aber äußere Umstände eine ernsthafte Beziehung verhindern.

Doch es gibt sie: Affären, die sich nach und nach zu einer Liebesbeziehung bzw. Partnerschaft entwickeln.

Wenn eine Sexbeziehung die Gefühle durcheinander bringt …

Eine Affäre ist immer mehr als nur Sex. Ein Grund dafür ist das sogenannte Bindungshormon Oxytocin. Es wird bei zärtlichen Berührungen, beim Geschlechtsverkehr und vor allem beim Orgasmus ausgeschüttet und sorgt dafür, dass zwischen den Sexualpartnern ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht: Plötzlich schmerzt es, den Anderen am Morgen danach ziehen zu lassen – da kann vorher noch so oft und deutlich kommuniziert worden sein, man sei nur am gemeinsamen Spaß im Bett statt an einer ernsthaften Beziehung interessiert.

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Auch Eifersucht ist ein Anzeichen dafür, dass der Sexpartner anscheinend eine wichtigere Rolle im eigenen Leben einnimmt, als man erwartet hatte. Die meisten Menschen möchten ohnehin nicht so gern, dass „ihre“ Affäre mehrgleisig fährt und neben ihnen noch weitere sexuelle Beziehungen unterhält.

Aus dem Gefühl der teils innigen Verbundenheit kann sich Verliebtheit entwickeln. Doch spätestens dann gerät die Affäre aus dem Gleichgewicht. Schließlich hat man kein Anrecht auf den anderen. Oder etwa doch? Das Resultat ist Gefühlschaos, manchmal bei beiden Sexpartnern, manchmal nur bei einem. In letzterem Fall hilft nur, voneinander Abschied zu nehmen. Denn die Chancen, dass aus der Sexbeziehung doch noch eine Liebesbeziehung wird, tendieren unter diesen Vorzeichen gen Null. Und: Je länger so eine „einseitige“ Affäre dauert, desto mehr besteht die Gefahr, dass die Person, die liebt, benutzt wird oder sich zumindest so fühlt. In einem Zustand unerwiderter Liebe zu verharren, macht nun mal extrem unglücklich – hier muss man konsequent die Entscheidung fällen, loszulassen, und zwar so schnell wie möglich.

Anzeichen, dass es mehr ist als eine Bettgeschichte

Das heißt aber nicht, dass aus Sex niemals tiefe Gefühle entstehen können. Ja, es ist ungewöhnlich, dass eine Affäre zum Sprungbrett einer gemeinsamen Liebesbeziehung wird, aber es kommt vor. Es läuft bloß anders ab als bei Paaren, die zunächst wochen- oder monatelang ohne sexuellen Kontakt gedatet haben. Manche finden es dabei sogar positiv, dass die körperliche Ebene zu diesem Zeitpunkt bereits erforscht ist und man weiß, was man im Bett voneinander zu erwarten hat. (Nicht umsonst lautet ja tatsächlich ein Tipp für bereits etablierte Beziehungen, dass sich am Sex zeigt, ob man noch auf einer Wellenlänge ist oder ob es kriselt …)

Bei einer Affäre ist ein erstes Anzeichen dafür, dass es auch längerfristig klappen könnte, Zeit, die ganz ohne Sex miteinander verbracht wird. Wenn es diese „sexlosen“ Momente gibt, also er oder sie nicht direkt nach Hause geht, sondern beispielsweise zum Frühstück bleibt, dann existiert wahrscheinlich eine Anziehungskraft, die über den körperlichen Aspekt hinaus geht. Gleiches gilt für Situationen, in denen spürbar ist, dass der Sexpartner Interesse am Alltag zeigt und auch gerne mehr in diesen eingebunden werden möchte (z. B. über die Bitte, darüber informiert zu werden, wie die Prüfung/der Arzttermin/o. Ä. gelaufen ist) oder wenn bereits kleine Rituale zwischen beiden existieren, die Sicherheit und Geborgenheit geben.

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Ein sicheres Anzeichen ist auch, wenn Freunde über die Affäre Bescheid wissen und die Sexpartner einander sogar mit zu Geburtstagsfeiern und Partys innerhalb des Bekanntenkreises mitnehmen. Denn das bedeutet, dass man keinen Grund sieht, sich zu „verstecken“.

Der Realitäts-Check: Sexbeziehung wird Partnerschaft

Was man bei einer Affäre (noch) nicht weiß, sondern höchstens ahnt, ist, ob man auch charakterlich zueinander passt. Verfolgt man ähnliche Pläne und Ziele im Leben? Hat man dieselben Werte? Die Antworten auf diese Fragen sind die Basis für die nächsten Schritte in Richtung solide Partnerschaft. Mehr Zeit miteinander zu verbringen, und zwar nicht in erster Linie mit sexuellen Aktivitäten, hilft, den jeweils Anderen besser einzuschätzen.

Der Prozess ist jetzt dem des „normalen“ Datings nicht unähnlich. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass das Fundament für eine Beziehung Vertrautheit und Nähe sind und diese sich nur über Zeit entwickeln können. Wer an einer ernsthaften Beziehung mit dem Affärenpartner interessiert ist, sollte Geduld haben und nicht versuchen, das emotionale Kennenlernen zwanghaft über fragwürdige „Tests“ oder „Liebesbeweise“ zu beschleunigen.

Der Sex kann sogar einen Teil seiner Bedeutung verlieren. Spannender und wichtiger ist jetzt die Persönlichkeit des Gegenübers. Man sollte daher nicht irritiert sein, wenn zu diesem Zeitpunkt das Miteinander-ins-Bett-Gehen weniger Zeit in Anspruch nimmt als vorher und man stattdessen lieber andere schöne Dinge zusammen tut.

Auf jeden Fall ist es ratsam, einander immer darüber zu informieren, wo man gerade steht – das Stichwort lautet hier „Respekt“. Dann kann auch aus einer anfänglichen reinen Sexbeziehung Liebe werden.

- Artikel vom MTIuMDUuMjAxNg==

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